Anzeige

Pracht, Tragik, Liebe – Russland

Umjubeltes Wintermärchen: „Eugen Onegin“ hatte am Freitag Premiere im Staatstheater

Von Ingeborg Obi-Preuß, 09.12.2009

Braunschweig. Hier tanzt der Bär. Und zwar wirklich. Der wahre, der russische: „Eugen Onegin“ wird im Staatstheater bejubelt, Ensemble, Licht, Bühne, Kostüm – alles stimmt.

Wie ein zauberhaftes Wintermärchen entblättert und enthüllt ein vielschichtiges, prächtiges Bühnenbild die Geschichte: Transparente Bilder lassen in die Vergangenheit, in die Zukunft und die Träume schauen. Theater im Theater. Klug gemacht.
In der Abgeschiedenheit irgendwo in Russland lebt die Gutsbesitzerin Larina (Julia Rutigliano) mit ihren Töchtern, der fröhlichen Olga (Sarah Ferede), der eher scheuen Tatjana (Liana Aleksanyan) und der Amme Filip Jewna (Evelyn Krahe). Gleich zu Anfang bestechen diese vier Frauenstimmen.
Komponist Pjotr Iljitsch Tschaikowskij und Dirigent Alexander Joel scheinen sich einig zu sein: Viel Raum für die Sänger. Zart und lyrisch perlt die Musik fast im Hintergrund, trägt die bezaubernden Arien und Duette. Um dann mitreißend und mächtig die Geschichte mit dem perfekt agierenden Chor weiterzuerzählen.
Alexander Puschkin schrieb „Jewgeni Onegin“ zwischen 1823 und 1830 als Versepos, Regisseur Silviu Purcarete bleibt mit dieser Inszenierung beim Dichter und seiner Zeit. Mit einem phantastischen Bühnenbild, prächtigen Kostümen und farbenreicher Beleuchtung lässt er die sprichwörtliche russische Seele fühlbar werden. Viel Tragik, großer Gestus, dazu die Weiten Russlands, die hellen Sommer, der klirrende Frost und die wunderschöne Musik, die die Besucher umhüllt wie ein warmer Wintermantel.
Das hilft auch, der sich anfangs nur langsam aufbauenden Spannung zu folgen. Viel Zeit gibt es da für die wunderbare Liana Aleksanyan als Tatjana, sich über ihre Leidenschaft zu dem Lebemann Eugen Onegin (souverän dargestellt von George Stevens), dem Freund ihrer Schwester, klar zu werden. Der arrogante Kerl weist sie schnöde zurück. Eine Demütigung, die sie nie mehr verzeihen kann und will.
Eugen Onegin provoziert aus Langeweile seinen Freund Lenskij (Arthur Shen in Bestform); im Duell tötet er schließlich den schwärmerischen Dichter. Onegin geht fort, erst Jahre später trifft er Tatjana wieder – inzwischen reich verheiratet mit Fürst Gremin (Selçuk Hakan Tirasoglu mit einem umwerfenden Auftritt), erkennt jetzt die große Liebe. Zu spät. Auch Tatjana liebt Onegin noch immer, aber sie bleibt hart: „Meine Ehe und Pflicht werden die Leidenschaft besiegen“, beendet sie jede Chance auf ein Happyend. Großes russisches Kino.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.