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„Polnische Perlen“ auf der Bühne

Dramaturgin Silke Merzhäuser, Altenpflegerin Mariana Serban, Insa Rudolph (musikalische Leitung) und Regisseurin Julia Roesler bei einer Probe im Kleinen Haus des Staatstheaters.

Doku-Stück zur Situation von osteuropäischen Pflegekräften eröffnet Themenwoche Interkultur.

Von André Pause, 09.03.2014.

Braunschweig. Fünfzehn intensive Interviews hat die „werkgruppe2“ mit osteuropäischen Pflegekräften geführt. 300 Seiten Text sind dabei entstanden, aus dessen Extrakt das niedersächsische Theaterkollektiv nun das Stück „Polnische Perlen“ formt.

Die Premiere der Inszenierung zum Thema Arbeitsmigration ist am 20. März (19.30 Uhr) im Kleinen Haus zum Auftakt der interkulturellen Woche des Staatstheaters zu sehen. Augenblicklich studiert Regisseurin Julia Rösler den Abend mit Schauspielern des Staatstheaterensembles, drei Streicherinnen und der musikalischen Leiterin Insa Rudolph ein:
Die Musikerinnen übernehmen dabei die Rollen der Pflegebedürftigen. Die Klänge von Violine (Kristina van de Sand und Katharina Pfänder) und Cello (Lisa Stepf) vermitteln gleichermaßen Sehnsucht und Zerbrechlichkeit. In der betont kühlen Kulisse zwischen Spitalparavents und meterlangen von der Decke hängenden Aufrichthilfen wirken sie, in Rollstühlen sitzend, maximal hilflos. Es sind Szenen aus allen möglichen alltäglichen Lebenslagen, die Musik und Schauspiel verschmelzen lassen. „Muss verstein, das Persona ist kraank, muss waaschen“ oder „Ich bin’s, Kamilla, horst du die Vogelein“ – die als Pflegekräfte agierenden Schauspieler intonieren Sätze, die Verständnis und Trost für die pflegebedürftigen Menschen festhalten. Auf warmherzige Berührungen folgen autobiografische Schilderungen. Nientje Schwabe berichtet als Mariana in schwerstem osteuropäischen Akzent über ihre Heimat Brasov/Kronstadt, ihren Mann, der nach achtjähriger Arbeitslosigkeit endlich wieder Arbeit gefunden hat, und über den 22-jährigen Sohn, den sie mit dem in Deutschland verdienten Geld beim Studieren unterstützt.
Eine komische Situation ist das, denn die Zitatgeberin ist anwesend. Mariana Serban pflegt in Braunschweig einen alten Design-Professor. „Ich mag den Job, auch wenn er nicht einfach ist“, berichtet die gelernte Pflegerin, die in ihrer Heimat auch schon im Theater gearbeitet hat, in der Kostümschneiderei. Für den Pressetermin hat sie zwei Stunden frei, ansonsten ist ihre Arbeit quasi rund um die Uhr gefragt, sieben Tage die Woche.
Dieses beinahe pausenlose Engagement sei neben den Sprachbarrieren die Hauptschwierigkeit bei der Recherche zum Stück gewesen, berichtet Julia Roesler. Auf der Bühne, abseits des trockenen Expertentums, sei der Stoff dennoch gut aufgehoben, findet die Regisseurin. Sie glaube an eine Empathiebrücke, an die Kraft der Kunst und des Theaters, die es möglich machen könne, das Schicksal der Betroffenen zu teilen.
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