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„Plastisch, genau und kraftvoll“

Andreas-Peter Weber (Programmdirektor Deutschlandradio), Wilhelm-Raabe-Literaturpreisträgerin Marion Poschmann und Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann bei der Preisverleihung im Kleinen Haus des Staatstheaters. Foto: Thomas Ammerpohl

Wilhelm-Raabe-Literaturpreis für Marion Poschmann und ihren Roman „Die Sonnenposition“.

Von André Pause, 03.11.2013.

Braunschweig. Die Schriftstellerin Marion Poschmann hat für ihren Roman „Die Sonnenposition“ den von der Stadt Braunschweig und dem Deutschlandfunk gestifteten und mit 30 000 Euro dotierten Wilhelm-Raabe-Literaturpreis 2013 erhalten.

Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann und Deutschlandradio-Programmdirektor Andreas-Peter Weber überreichten die Auszeichnung gestern im Rahmen eines Matinee-Festaktes im Kleinen Haus des Staatstheaters.
Seit dreizehn Jahren wird der Wilhelm-Raabe-Literaturpreis in seiner jetzigen Form vergeben, seit 2010 jährlich. Gewürdigt wird mit ihm ein aktueller, zeitgenössischer Roman in deutscher Sprache. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Rainald Goetz, Jochen Missfeldt, Ralf Rothmann, Wolf Haas, Katja Lange Müller, Andreas Maier, Sibylle Lewitscharoff und Christian Kracht.
Der aktuelle Roman von Marion Poschmann sei ein Meisterstück der Spiegelung und Täuschung und des Wechsels von Sich-Zeigen und Verbergen, heißt es in der Begründung der Jury. Das Werk sei eine erzählerische Meditation über die Rück- und Abseiten der Dinge, über Schatten und Kontraste. Mit feinster Sorgfalt habe die in Essen geborene Marion Poschmann Motive und Anspielungen in Beziehung zueinander gesetzt. Dabei sei eine Prosa entstanden, die in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur ihresgleichen sucht.
Bildhaft und blumig sind auch die Worte, die Laudatorin Sigrid Löffler für die diesjährige Preisträgerin findet. Naturlandschaften öffneten sich bei ihr zu geistigen Räumen. Ein Genauigkeitsverlangen ginge aus ihrer Arbeit hervor, und auch ein fein entwickeltes Sensorium für Farbe, Kontraste und Zeichenhaftigkeit besäße die „Chronistin des Scheiterns“. So betitelt Literaturkritikerin und Publizistin Löffler die Autorin Poschmann, weil sie Untergegangenes und vom Zeitgeist Vergessenes zur Sprache brächte. „Plastisch, genau, kraftvoll – bei dieser Schriftstellerin ist kein Wort unbedacht geschrieben“, schließt Löffler ihren erzählerischen Wandel durch das Gesamtwerk der Preisträgerin.
Wie reichhaltig an Metaphern Marion Poschmanns aktueller Roman „Die Sonnenposition“ ist, beweist die Autorin bereits bei ihrer Lesung im Rahmen der langen Nacht der Literatur am Abend davor. Es ist nur der Prolog des Buches, („Sol invictus“) der präsentiert wird. Doch man bekommt einen schönen Eindruck, wohin die Reise hier sprachlich geht: zur Schnittmenge von Lyrik und langer Form.
Viel Lob für die Verbindung der langen Nacht der Literatur (in diesem Jahr zum vierten Mal) mit der Preisverleihung am Folgetag hat Gabriele Heinen-Kljajic übrig. Beide Veranstaltungen bezeichnet die niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur als „Erfolgsgeschichten“. In der Tat konnte sich das fünfstündige Programm der langen Nacht mit insgesamt elf von Vertretern deutscher Gegenwartsliteratur auf drei Bühnen gehaltenen Lesungen, Podiumsdiskussion und Abschlusskonzert sehen beziehungsweise hören lassen.
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