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Plädoyer für den Mut zur Frage

Regisseurin Schirin Khodadadian. Foto: André Pause

Schirin Khodadadians „Effi Briest“-Inszenierung ist ab heute Abend im Großen Haus zu sehen.

Von André Pause, 19.03.2016.

Braunschweig. Freundliche Begrüßung im Café mit Regisseurin Schirin Khodadadian. Der persische Nachname birgt gewisse Herausforderungen für die mitteleuropäische Zunge.

Das Kho wird Cho gesprochen. Bevor es im Mundraum zu Verknotungen kommt, wechseln wir sicherheitshalber zum Du.

Khodadadian inszeniert am Staatstheater Braunschweig Theodor Fontanes „Effi Briest“. Die Premiere ist heute Abend um 19.30 Uhr im Großen Haus. Als sie gefragt wurde, ob sie nicht Lust hätte, das Stück zu machen, habe sie sich nach kurzer Überlegung dafür entschieden. „Ich fand es ganz spannend, weil ich mich immer mal wieder mit Romanadaptionen beschäftigt habe, da aber vor allem mit Bearbeitungen umgegangen bin. Hier haben wir im Vorfeld viele Fassungen und Bühnenbearbeitungen gesichtet, bis sich nach und nach herauskristallisiert hat, was uns an dem Stoff wichtig ist.

Dramaturgin Katrin Breschke hat da quasi ganz von vorne angefangen“, beschreibt die Regisseurin, die sowohl Generalintendant Joachim Klement als auch Chefdramaturg Axel Preuß seit Jahren kennt und mit einigen Schauspielern des Hauses auch schon zusammengearbeitet hat – auf Hans-Werner Leupelt und Birte Leest ist sie in Kassel getroffen, auf Moritz Dürr in Hannover.

Die Produktion in Braunschweig ist in Schirin Khodadadians Augen vor allem ein großes Plädoyer für den Mut zur Frage und zur Befragung. Die so frei wie selbstgestaltete Zukunft, das richtige Leben innerhalb gesellschaftlicher Konventionen sei heute im Grunde genauso schwer realisierbar wie damals. Dieses Gefühl, „sich wegträumen zu müssen aus einer bestimmten Welt“, weil von irgendeiner Seite herangetragene – angenommene oder auch reale – Erwartungshaltungen dem Menschen zu viel wird, weil die Kluft zwischen dem Wunsch und dem, was da ist, oft sehr groß ist. Das sei doch alles sehr heutig, findet Khodadadian.

Heute ist für die Frau vieles möglich, was für Effi unmöglich war: beruflich und in Sachen Lebensmittelpunkt einen selbstständigen Weg zu gehen beispielsweise. Doch trotz dieser inzwischen unglaublichen Auswahl werde es nicht einfacher, weil immer eine Entscheidung getroffen werden müsse. „Man fragt sich: Wie kriege ich die bestmögliche Familiensituation hin, mit der größtmöglichen Leidenschaft und der größtmöglichen Selbstverwirklichung im Beruf. Das sind Ansprüche, die so gesetzt sind, dass Du dadurch genauso ins Schlingern kommst, wie durch die Grenzen, die Effi aufgezeigt werden. Das mehr an Optionen macht Dich nicht unbedingt freier, vielleicht sogar unfreier.“
Okay, ein gutes Ende nimmt die Sache dann auf der Bühne wohl ebensowenig wie im Roman.

„Wir folgen durchaus dem Plot, den großen Stationen in Bezug auf Effi. Sie steht im Zentrum, und es ist so, als würden alle Figuren ihrem Kopf entspringen. Wir haben eine Innenwelt, die sich auftut, mit all diesen Möglichkeiten und den Manipulatoren, die auftauchen“, skizziert die Regisseurin, die wie sie sagt besonderes Augenmerk auf die Momente gelegt hat, in denen Entschlüsse getroffen werden. „Das führt dazu, dass Effi von einer Entscheidungssituation in die nächste geworfen wird, obwohl sie sich manchmal vielleicht gar nicht entscheiden will.“
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