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Ping-Pong auf dem Klavierflügel

Von Daniel Mau

Braunschweig. Asien, Amerika, Australien und Europa: In seiner Karriere ist der Pianist Joja Wendt viel herumgekommen. Seine Eindrücke hat er nun musikalisch verarbeitet. „Mit 88 Tasten um die Welt“ heißt seine neue CD. Am 27. April kommt Joja Wendt in die Stadthalle. Daniel Mau, nB-Volontär, sprach mit ihm.

? Herr Wendt, auf Ihrer neuen CD finden sich Lieder mit irischen, chinesischen oder russischen Melodien. Wie kamen Sie auf die Idee, so viele Einflüsse auf einem Album zu kombinieren?

! Ich habe vor zwei Jahren eine Tour mit einer halbjährigen Weltreise verbunden. Meine Frau und meine zwei Kinder, die damals noch nicht zur Schule gingen, waren mit. In vielen Ländern habe ich mit einheimischen Künstlern gespielt. Durch diesen Kontakt ist die Idee entstanden, ein Album mit unterschiedlichen traditionellen Melodien zu machen. Ich war lange Zeit auf der Suche nach solchen Liedern.

? Auf der Suche? Was meinen Sie damit genau?

! Das Lied „Im Palast des Zaren“ drückt beispielsweise die russische Schwermut aus. Musik ist immer ein Spiegel der Menschen, ihrer Lebensumstände und ihrer Sprache. Und die kann man nur verstehen, wenn man da war.

? Jedes Lied ist also durch ein bestimmtes Ereignis oder eine bestimmte Begegnung entstanden?

! Über einige Lieder bin ich einfach so gestolpert. Zum Beispiel das Stück „Celtic Cry“. Das habe ich zuerst in einer irischen Kneipe gehört. Das Lied hat eine solche Dynamik und eine solche Kraft, da habe ich sofort gedacht, das ist es. Es wurde zuvor aber noch nie auf dem Klavier gespielt.

? Sie gelten vor allem als ein Pianist und Komponist für Jazz. Ist dieses etwas andere Album ein einmaliger Ausflug oder eine langfristige Veränderung ihrer musikalischen Ausrichtung?

! Das weiß ich selber noch nicht so genau. Ich will nicht ausschließen, dass ich noch mal eine Platte mit Weltmusik mache. Aber vielleicht kommt auch ein reines Jazz- oder ein reines Klassikalbum als Nächstes.

? Sie haben sich nicht nur als Musiker sondern auch als Entertainer einen Namen gemacht. Was darf das Braunschweiger Publikum von Ihnen erwarten?

! Zu jedem Lied werde ich eine kleine Anekdote erzählen. Wo es herkommt und welchen Hintergrund es hat. Außerdem baue ich die eine oder andere Überraschung in mein Programm ein. Da kann es schon mal passieren, dass Ping-Pong auf dem Flügel gespielt wird. Meine Gäste sollen bei meinen Konzerten nicht nur mit Musik unterhalten werden.

? Ihre Tour hat Anfang März begonnen, und bis zum Ende des Jahres wollen Sie 88 Auftritte in Deutschland absolvieren. Wie ist ein solch strammes Programm mit dem Familienleben vereinbar?

! Meine Kinder, die sechs und acht Jahre alt sind, haben das Glück, dass ihr Vater Saisonarbeiter ist. Im Sommer mache ich zwei Monate Pause und bin den ganzen Tag zu Hause. Es kommt aber auch vor, dass ich drei oder vier Wochen am Stück weg bin.

? Stimmt es eigentlich, dass Sie von Joe Cocker entdeckt wurden?

! Irgendwie schon. Früher habe ich in den Clubs von Hamburg auf dem Klavier für ein Bier oder so gespielt. Als Joe Cocker während seiner Deutschland-Tour 1991 in der Stadt war, hat er mich in einer Kneipe spielen gehört. Weil seine Vorband ausgefallen war, hat er mich gleich für den ganzen Rest der Tour engagiert. Das war der Anfang meiner Karriere.

Das Konzert von Joja Wendt am 27. April in der Stadthalle beginnt um 18 Uhr. Karten gibt es in der nB-Geschäftsstelle, Schild 10, oder unter 01805/ 33 11 11 (14 Cent pro Minute).
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