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Thees Uhlmann & Band im Kulturzelt. Foto: Thomas Ammerpohl

Ex-Tomte-Sänger Thees Uhlmann rockte mit Band vor begeistertem Publikum bei Kultur im Zelt.

Von André Pause, 10.09.2013

Braunschweig. Als Opel-Kadett unter den deutschen Songwritern wurde Thees Uhlmann vor einigen Jahren bei einem Open-Air-Festival von Veranstaltungsmoderator Francesco Wilking, seines Zeichens Sänger der Band Tele, angekündigt.

Dem Minenspiel nach zu urteilen, war Uhlmann mit Wilkings Einstufung damals nicht unbedingt glücklich. Wenn der Sänger sonst kategorisiert wird, heißt es auch gerne mal: „Der deutsche Springsteen“. Was freilich komplett in die Schublade Verstiegenheit passt, sieht man einmal von durchaus vorhandenen Ich-ziehe-mein-Ding-durch-Qualitäten ab.
Bei seinem Konzert bei Kultur im Zelt rockt sich Thees Uhlmann mit fünfköpfiger Band im positiven Sinne unaufgeregt durch die beiden Post-Tomte-Alben (die neue Platte „#2“ ist gerade erschienen). Die Besucher unter der Kuppel sind im Durchschnitt etwa halb so alt wie die der meisten anderen Gastspiele der jährlichen Veranstaltungsreihe. Aber auch viele Jüngere und ganz Junge sind dabei. Sie erleben einen sehr physischen Sänger, der sich trotz subtropischer Klimaverhältnisse erst spät aus der schwarzen Lederjacke pellt, der begeistert die Faust ballt und sich, wenn es sein muss, sogar in Christo-Redentor-Pose schmeißt.
Was an Uhlmann und Band fasziniert, ist, dass sie eine zur Rocknummer auswachsenden Ballade wie „Römer am Ende Roms“ – dem Opener des Abends – ebenso glaubhaft präsentieren wie den klassischen Indie-Pop bei „Mädchen von Kasse 2“ oder den Punk von „Die Bomben meiner Stadt“, der stark an The Clashs „London Calling“ gemahnt. Natürlich fehlen auch die Hits nicht: „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“ wird begeistert mitgesungen, „Vom Delta bis zur Quelle“ bestreiten Uhlmann und Auditorium gar im Wechselgesang.
Auch in Sachen Publikumsnähe lässt sich der gebürtige Niedersachse nicht lumpen. Einmal fordert er einen verdutzten Jungmann auf, ihm das filmende Handy zu reichen. Uhlmann singt hinein und hinterlässt dem Telefonverleiher auf diese Weise eine viel persönlichere Erinnerung, als dieser es sich erhoffen konnte. Mit einem Bad in der Menge zu „Die Toten auf dem Rücksitz“ gehen die etwa 80 unterhaltsamen wie schweißtreibenden Konzertminuten zu Ende.
Fazit: Dass statt der vom beeindruckten Thees Uhlmann geschätzten 80 letztlich 900 Gäste gekommen sind, machte einmal mehr deutlich, dass sich in dieser Stadt doch der eine oder andere nach einem (sub)kulturellen Mittelbau zu sehnen scheint. Wer möchte hier noch etwas gegen den Kadett sagen?
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