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Perfekt, aber langweilig

Katie Melua weiß mit ihrem Gitarrenspiel, begleitet von Klavier und Kontrabass, zu überzeugen. Foto: Thomas Ammerpohl

Katie Melua spielte am Dienstag ein 90-minütiges Set in der Braunschweiger Stadthalle.

Von André Pause, 06.04.2014.

Braunschweig. Beim letzten Mal hat Katie Melua noch spielend die Volkswagenhalle gefüllt, abzüglich fehlender Single-Charterfolge in den vergangenen vier Jahren reicht es aktuell immerhin für eine fast ausverkaufte Stadthalle.

Festlegen mochte sich die georgischstämmige Sängerin selbst ja noch nie so richtig: Blues – ja, Folk – ja, Jazz – auch, Chanson, Pop und Rock – na, selbstverständlich. Bei allem Anspruch hat Melua, die eigentlich Ketevan mit Vornamen heißt, Popappeal und Radiotauglichkeit dennoch nie ganz aus den Augen verloren. „Ketevan“ heißt auch ihr neues Album, das sie jetzt im Rahmen der Simplified-First-Acoustic-European-Tour vorstellte. Nach den orchestral-symphonischen Anwandlungen der vorherigen Platte folgte damit der Schritt zurück zur Nummer schlichter.

Das reduzierte Programm von „Ketevan“ gibt’s auch live – musikalisch wie zeitlich. Knackige anderthalb Stunden steht Melua mit ihren zwei Begleitern für Klavier und Kontrabass auf der Bühne. Der Abend beginnt mit „Chase Me“. Der Mezzosopran der hübschen Frau schmachtet samtig, das Gitarrenspiel: ganz ausgezeichnet. Es folgt ein in Perfektion dargebotenes Set aus alten und neuen Nummern. Nun ist Perfektion im Bereich der Popmusik aber auch immer ein bisschen langweilig und beliebig, gerade weil viele danach schielen. Und so klingen die meisten Stücke am Ende doch irgendwie ähnlich und paradoxerweise unscheinbar.

Klar erkennen und bejubeln die Zuschauer das zarte „Nine Million Bicycles“ schon nach den ersten Tönen, klar hat „In My Secret Life“ ordentlich Soul, ist „The Closest Thing To Crazy“ voller Gefühl, und verströmt „Shiver And Shake“ mystische From-Dusk-Till-Down-Atmosphäre. Aber sonst? Nur wenige Ecken und Kanten. Reizpunkte setzt die überwiegend interpretierende Sängerin eher nicht. Simon & Garfunkels Welthit „Bridge Over Troubled Water“ glättet Melua, bis nicht mehr als Fahrstuhlmusik vom Song übrig bleibt. Das muss man auch erst mal schaffen. Die Mehrheit des Publikums applaudiert trotzdem nach jedem Stück, und am Schluss gibt es kurz stehende Ovationen. Nicht wenige gehen aber auch schon vor Konzertende.
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