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Otto thront, und wir sind Kaiser

Landesausstellung „Otto IV. – Traum vom welfischen Kaisertum“ gestern im Dom eröffnet

Von Martina Jurk

Braunschweig. Sie ist der Höhepunkt des Kaiserjahres: die Landesausstellung „Otto IV. – Traum vom welfischen Kaisertum“. Gestern ist sie feierlich im Dom eröffnet worden.

Ministerpräsident Christian Wulff, Schirmherr der Ausstellung, würdigte vor rund 1000 geladenen Gästen den mittelalterlichen Herrscher und einzigen Welfenkaiser als Ideengeber und Förderer von Kunst und Kultur, egal, wie das Urteil der Besucher über Ottos politische Erfolge ausfallen möge. Signifikante Beispiele für „sein weit gespanntes Bauprogramm“ seien die Erweiterung der Braunschweiger Stadtbefestigung und der Ausbau des Doms St. Blasii zu seiner eigenen Grabeskirche. „Vielleicht trägt der Blick ins Mittelalter, in die Vergangenheit, dazu bei, das Heute glücklicher und zufriedener zu leben“, sagte Christian Wulff. Warum huldigen wir einem Kaiser, der durch politische Niederlagen und Rückschläge „glänzte“? Alle, die gestern zur Ausstellungseröffnung im Dom sprachen, versuchten diese Frage zu beantworten. Weil er Gutes für Braunschweig getan hat, könnte ein guter Grund sein. Landesbischof Professor Dr. Friedrich Weber sprach von der Silhouette der Stadt, die Vater und Sohn, also Heinrich der Löwe und Otto IV. schufen. Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann würdigte des Herrschers Stärkung des stadthistorischen Profils und spannte den Bogen zur Ausstellung: „Durch das überregionale Medieninteresse an der Landesausstellung ist Braunschweig in Deutschland bekannter geworden.“ Und nicht nur dort. Hoffmann hatte zur Ausstellungseröffnung die Bürgermeister der Partnerstädte Sousse und Nîmes eingeladen, mit ihnen am Mittag eine Brücke eingeweiht und nun gezeigt, welche historischen und kulturellen Schätze Braunschweig beherbergt.
Statt eines Festvortrags las Schriftstellerin Sabine Ebert („Das Geheimnis der Hebamme“) ihre Kurzgeschichte „Krönungstag“ vor – ein gedanklicher Monolog Ottos wenige Minuten bevor ihm die Kaiserkrone aufs Haupt gesetzt wurde. Um den Festvortrag hatte es im Vorfeld der Eröffnung Verstimmungen zwischen Otto-„Entdecker“ Professor Bernd-Ulrich Hucker und den Organisatoren gegeben. Deren Grundgedanke war es, eine „fröhliche“ Eröffnungsveranstaltung zu machen. „Ein kurzer Vortrag von Professor Hucker wäre seinen umfangreichen wissenschaftlichen Forschungsergebnissen nicht gerecht geworden. Deshalb wurde er als Festredner nicht eingeplant, sondern sollte im Anschluss einen Vortrag für alle interessierten Bürger halten“ , erklärte Silke Röhling vom Landesmuseum. Beides habe er beleidigt abgelehnt, aber inzwischen schon wieder Gesprächsbereitschaft bekundet.
Wer bedauert, dass der Vortrag nicht gehalten wurde, hat am 7. Oktober um 19.30 Uhr im Hohen Chor des Doms Gelegenheit, Professor Hucker zum Thema „Der Kampf zwischen Kaiser und Papst – Otto IV. und Innocenz III.“ zu hören.
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