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Oben und unten, Tür auf, Tür zu

Die betrogene Ehefrau Irene (Natascha Hirthe) gibt sich im Rahmen einer Retourkutsche Paul (Karsten Speck, r.), dem Geschäftspartner ihres Mannes André, hin. Petrus (Gernot Endemann) ist heilfroh, dass sich die Sache erledigt und alles zum Guten fügt. Foto: imagemoove/oh

„Im Himmel ist kein Zimmer frei“ in der Altstadtmarktkomödie überzeugt vor allem spielerisch.

Von André Pause, 09.01.2015.

Braunschweig. Wer sich immer schon mal gefragt hat, was Einen – wenn wirklich alles vorbei ist – im Himmel erwartet, der bekommt mit dem Stück „Im Himmel ist kein Zimmer frei“ in der Komödie am Altstadtmarkt gleich zu Beginn einen, natürlich nicht so ganz ernst gemeinten, Ausblick.

Regelrecht irdisch wird Paul Seval von Petrus, nach seinem tödlichen Autounfall, den der Besucher rein akustisch vom Band erfährt, im schneeweißen Reich in Empfang genommen. Der himmlische Computer ist jedoch abgestürzt, weshalb sich der Apostel auch nicht in die Lage versetzt fühlt, den herrschaftlich zerlumpten, herrlich verdattert aus der Wäsche guckenden und in Anbetracht der ungewöhnlichen Lage entsetzt stammelnden Neuankömmling aufzunehmen. Auch ein Anruf bei Johannes bringt keine Klarheit. Der Paul steht einfach nicht auf dem Lieferschein!
Diesen an und für sich tragikomischen Einstieg hätte Regisseur Jan Bodinus ruhig etwas knackiger und auch ausgewogener gestalten können: So sind es erst einmal etwas zu viel Zähneblecken und Stottern für TV-Star Karsten Speck in seiner Rolle als Paul bei gleichsam eher lakonischem Spiel von Gernot Endemann als Himmelspförtner Petrus.
Besser, weil schwungvoller, wird es, als die „Abteilung für Rückführung“ ihren Job erledigt hat, und Paul zurück auf die Erde – expliziter: in sein Haus – darf. Dort hat sich derweil Geschäftspartner André Marsan, kraftvoll und dynamisch gespielt von Jens Knospe, samt seiner fordernden Geliebten Sophie (Celine Lochmann) eingenistet. Um möglichst wenig Unheil anzurichten, gibt sich André als Paul aus. Sonnenklar, dass es zu Turbulenzen kommt, als der etatmäßige Hausherr wieder vor Ort ist und zu allem Überfluss auch noch Andrés Ehefrau Irene mit dem Vorsatz auftaucht, sämtlichen Betrügereien des Gatten auf der Stelle einen Seitensprung mit Paul entgegenzusetzen. Das eine Paar im Erdgeschoss, das andere im ersten Stock, entspinnt sich hiernach ein flottes „Tür auf, Tür zu“-Spiel, bei dem alle Beteiligten hübsch aufpassen müssen, nicht der falschen Person in die Arme zu laufen, respektive sich zu verquatschen. Hausdame Maria, schrullig gegeben von Sabine Schmidt-Kirchner, die nur zum Blumengießen vorbeischaut, versteht jedenfalls die Welt nicht mehr.
Mit zunehmender Spieldauer setzen vor allem Karsten Speck, der als Paul im Erklärungsnotstand ein schönes Minenspiel liefert, und Natascha Hirthe als Irene, die bei aller Aufregung auch mal zum Nachdenken kommt, die stärksten Akzente. Brachialhumor bleibt in dieser Interpretation der Geschichte von Jean Stuart weitestgehend außen vor.
Welche Paare sich schließlich bekommen, ahnt der routinierte Komödienbesucher zwar relativ früh, doch den positiven Gesamteindruck der Produktion schmälert dieser Umstand ebensowenig wie das etwas verschleppte Finale.
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