Anzeige

„Nur keine Schlagworte abarbeiten“

Der Film „Was steckt unter dem Kopftuch?“ soll aufklären und mit Vorurteilen aufräumen.

Von Daniel Beutler, 10.11.2010.

Realitätsnah und intensiv. Das Filmprojekt „Was steckt unter dem Kopftuch?“ der Braunschweiger Sozialarbeiterinnen Türkan Deniz-Roggenbuck und Sadiye Celik-Turgut will die die Augen öffnen und den Blick vom Äußeren auf den Menschen lenken.

Zu sehen ist der Beitrag am Freitag (12. November) ab
18 Uhr in der Wichmannhalle anlässlich der Vorstellung des Programms „Vielfalt tut gut“. Die nB war am Set dabei.
Für viele muslimische Frauen ist das Kopftuch Ausdruck ihres Glaubens. Nicht mehr und nicht weniger. Es steht in der Regel weder für Unterdrückung und Unterwerfung, noch sollte es als Ikonographie für Terror dienen. Solche Assoziationen sind allerdings noch viel zu häufig der Fall, finden Deniz-Roggenbuck und Celik-Turgut. Sie haben sich deshalb daran gemacht, einen Film zu drehen, der aufklären soll. Was steckt unter dem Kopftuch? Das ist die zentrale Frage des Films, und die Antwort ist eigentlich unglaublich einfach: eine Frau. Jede anders, jede mit ihrer Geschichte.
Die erzählen vier Frauen, die die Hauptdarsteller des Films sind. „Wir wollen uns dabei aber nicht in Extremen verlieren und nur Akademikerinnen zeigen, sondern realitätsnah bleiben“, erklärt Celik-Turgut. Intim und intensiv werden die Portrait-Aufnahmen, die das Kamerateam macht. „Ohne jemanden bloßzustellen. Das ist uns ganz wichtig. Es geht uns nicht darum, Schlagworte abzuarbeiten und die Frauen dafür zu benutzen“, betont Celik-Turgut. Und das merken die Frauen auch, öffnen sich zunehmend. Sie erzählen von Drogen und Fehlschlägen, Erfolgen und Erkenntnis.
„Das ist ein sehr sensibles Thema“, weiß Celik-Turgut. Allein schon weil der Koran, nicht explizit erklärt, wie eine Verschleierung auszusehen hat. „Da gibt es mehrere Übersetzungen und Interpretationen“, erklärt Celik-Turgut. Doch darum geht es den beiden Frauen auch gar nicht. Sie stellen nicht das Kopftuch in den Mittelpunkt, sondern was darunter ist. So erzählen die Frauen, warum sie sich für die Verschleierung entschieden haben. Was es für sie bedeutet und wollen so für Verständnis werben. Kopftuch? Na und? „Meine Oma hat auch ein Kopftuch getragen. Nur hat sie es anders gebunden“, sagt Monika Dörmann, Leiterin des Mehrgenerationenhauses und Mütterzentrums Braunschweig, wo der Film gedreht wurde.
Es seien Kampf gegen Windmühlen, eingefahrene Verhaltensmuster und Denkweisen. Kopftuch gleich Ausländerin. „Das ist oft die erste Frage, die man gestellt bekommt: Wo kommst du her? Aus Deutschland oder der Türkei?“, berichtet Celik-Turgut von ihren Erfahrungen. Manchmal reiche es schon ausländisch auszusehen, erzählt sie in einer Anekdote: Ein Mädchen, sieben Jahre alt, mit türkischstämmigen Eltern, wurde gefragt, wo sie herkomme. Die Antwort ganz lapidar und doch unübertroffen ehrlich: Aus der Husarenstraße. Da kann man viel von Kindern lernen.
Eine feste Installation des Films ist im Büro für Migrationsfragen geplant.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.