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Nudeln kochen in zwei Sprachen

Italienisches Kulturzentrum treibt die Idee einer deutsch-italienischen Kita voran.

Von Birgit Leute, 19.09.12

Braunschweig. Gino hat leuchtend rote Haare, eine quietschgrüne Latzhose und spricht fließend Italienisch. Bislang „arbeitet“ er nur in einer Wolfsburger Kita. Doch wenn es nach dem Centro Culturale Italiano in Braunschweig – dem neuen italienischen Kulturzentrum – ginge, würde er auch bald hier zu Hause sein.

Gino ist eigentlich eine Puppe und bringt im Tandem mit „Kollegin“ Lotta Kindern neben der deutschen auch die italienische Sprache bei. Das Konzept stammt von dem Braunschweiger TU-Professor Peter Doyé. „Man kann gar nicht früh genug mit einer zweisprachigen Erziehung anfangen“, ist der inzwischen emeritierte Experte für englische Sprache und Didaktik überzeugt.
500 bilinguale Kitas gibt es nach seinen Recherchen schon in Deutschland – die meisten in der Kombination Deutsch-Englisch. „Doch wir sollten darüber nicht die Sprachen der ehemaligen Gastarbeiter vergessen“, mahnt er.
In Berlin existieren bereits deutsch-türkische Kindergartengruppen, in Wolfsburg eine deutsch-italienische, jetzt soll Braunschweig nach Möglichkeit folgen. „Rund 1700 Italiener leben hier; die dritte Generation hat längst enorme Schwierigkeiten, sich mit den Großeltern oder den Verwandten in Italien zu unterhalten: Die Sprache und Kultur werden zunehmend vergessen“, sagt Cristina Antonelli-Ngameni, erste Vorsitzende des Centro, der das Projekt unter dem Namen „Vivere 2 lingue“ vorantreibt.
Sie selbst kennt die Situation als Migrantin. Als Kind einer Gastarbeiterfamilie vor rund 40 Jahren nach Deutschland eingewandert, kam sie in die vierte Klasse einer deutschen Grundschule. Zwei Tage in der Woche muttersprachlicher Unterricht halfen, dass sie Kontakt zu ihren Wurzeln behielt, „doch das ist heute längst nicht mehr die Regel – und: Wir lernten in der Zeit isoliert von unseren deutschen Klassenkameraden“, bemängelt Antonelli-Ngameni.
Genau das ist in den bilingualen Kitas nicht der Fall. Die Gruppen bestehen je zur Hälfte aus Kindern mit deutschen und Kindern mit ausländischen Wurzeln, zwei Erzieher betreuen parallel in ihren Sprachen. „Eine echte interkulturelle Bildung“, betont Doyé. In Wolfsburg singen die Kinder auf diese Weise bereits italienische Lieder, kochen mit zweisprachigen Rezepten und lernen anhand der beiden Puppen Gino und Lotta die Kleidung kennen.
Nach Antonelli-Ngameni ist die Nachfrage – zumindest was die italienischen Familien betrifft – da, jetzt hofft sie auf noch mehr Unterstützung durch deutsprachige Braunschweiger und durch das italienische Generalkonsulat in Hannover, damit die Stadt grünes Licht gibt. „Die Idee wurde von den kommunalen Vertretern sehr positiv aufgenommen“, kann sie bestätigen.
Informationen zu dem Projekt gibt das Centro unter www.centroculturaleitaliano-bs.de.
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