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„Negelein“ und andere Kuriositäten

Ausstellung „Aufgetischt“ präsentiert Tafelkultur und Originalrezepte der Renaissance – Kochblog zum Mitmachen

. Von Birgit Leute, 04.05.2011

Braunschweig. Ran an den Kochtopf heißt es derzeit im Herzog Anton Ulrich-Museum. Begleitend zur Ausstellung „Aufgetischt“ in der Burg Dankwarderode können Besucher Renaissance-Rezepte nachkochen. Doch Vorsicht: Kalorien sollten dabei besser nicht gezählt werden.

Was vor 500 Jahren auf die fürstlichen Tische kam, war nämlich vor allem eines: reichhaltig und süß. „Im 16. und 17. Jahrhundert war eine üppige Tafel gleichzeitig Prestigeobjekt“, weiß Dr. Nicole Brüderle, Kuratorin der Ausstellung.
Je mehr gebratene Fasane, Pfauen, Schwäne oder auch Zuckergussornamente aufgeboten wurden, desto höher waren Stand und Ansehen. Gemälde in der Ausstellung machen deutlich, wie prunkvoll es bei solchen Banketten, bei denen oft auch Politik gemacht wurde, gewesen sein muss. „Die Renaissance gilt auch als das ‚Saufzeitalter‘, und die Moralisten der Zeit prangerten immer wieder die Trunk- und Genusssucht an, die ja auch als eine der sieben Todsünden galt.“
Keine Sorge: Ganz so arg wird es bei der Kochaktion zur Ausstellung nicht getrieben. Zum ersten Mal ist das Herzog Anton Ulrich-Museum dafür ins Web 2.0 gegangen und veröffentlicht unter www.koch-mit.HerzogAntonUlrich.de jede Woche Originalrezepte aus einem Kochbuch von 1598. Verfasst hat es der Leibkoch von Herzog Heinrich Julius von Braunschweig – der Niederländer Franz de Rontzier.
2674 Rezepte sind in dem schweren rotgoldenen Band mit dem Titel „Kunstbuch von mancherley Essen“ versammelt. Wer möchte kann die Gerichte – alle erschwinglich und für den heutigen Gaumen ausgewählt – nachkochen und das Ergebnis entweder auf der oben genannten Website oder bei Facebook auf dem Profil des Herzog Anton Ulrich-Museums posten.
„Fast immer stehen bei den Gerichten Gewürze im Mittelpunkt. Sie kamen damals aus der neuen Welt nach Europa, und die Köche probierten die verschiedensten Kombinationen aus“, erläutert Brüderle. Der kleine Haken an der Sache: In dem herzoglichen Kochbuch gibt es weder Mengen- noch Garzeitangaben und – der Koch war Niederländer, schrieb seine Rezepte also sozusagen mit „Akzent“.
Um die Verwirrungen möglichst gering zu halten, werden auf der Website immer wieder Tipps gegeben. „Beim Begriff ‚Negelein‘ handelt sich zum Beispiel nicht um schwarzen Pfeffer, sondern um Nelken – ein beliebtes Gewürz, das schon weit vor der Renaissance verwendet wurde“, erklärt Jacqueline Dornhöfer, die am Sonnabend (7. Mai) auch einen Kochkurs leitet.
Seit Beginn der Ausstellung haben sich inzwischen 30 Hobbyköche an die Gerichte gewagt. Unter allen Teilnehmern verlost das Museum als Hauptgewinn ein Renaissance-Dinner mit musikalischem Rahmenprogramm am
1. Juli. Übrigens: Derzeit stehen Seezunge in Birnensoße, Rinderzunge an Möhrensoße und Weinsuppe auf der Speisekarte beziehungsweise Website.
Weitere Informationen zur Ausstellung sind im Internet unter www-museum-braunschweig.de zu finden.
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