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Nach Tagen lustvoller Suche

Der ungarische „Baal“ bei Fast Forward: Bildstark, aber auch konventionell inszeniert. Foto: oh

Das „Fast Forward“-Festival für junge Regie geht heute Abend zu Ende.

Von André Pause, 30.11.2014.

Braunschweig. Die vierte Auflage des am Donnerstag gestarteten europäischen Festivals für junge Regie, Fast Forward, biegt am heutigen Sonntag schon wieder auf die Zielgerade.

Um 22.15 Uhr wird einer der sieben internationalen Beiträge als Gewinner feststehen. Vor der Siegerehrung im Festivalzentrum im Kleinen Haus haben Interessierte heute noch einmal die Möglichkeit drei von vier terminierten Produktionen zu sehen: „Der Fall M.“ wird um 16 und 20.15 Uhr im Kleinen Haus beleuchtet, „Forecasting“ auf der Probebühne im Kleinen Haus und „Les Justes“ im LOT-Theater beginnen zeitgleich um 18 Uhr und die „Steppengesänge“ kommen noch einmal um 20.15 Uhr im Haus Drei zur Aufführung. „Eine lustvolle Suche von Theatersprache“, wünschte sich Staatstheater-Intendant Joachim Klement zu Beginn der Regie-Schau, die in diesem Jahr parallel mit der internationalen Theaterkonferenz der European Theatre Convention stattfindet. „Inszenierungen, die im Ensemble beziehungsweise Regietheater so nicht unbedingt zu sehen sind“, versprach danach Kuratorin Barbara Engelhardt. Um Brechung der Sehgewohnheiten, aber auch um neue Haltung zu traditionellen Stoffen sollte es bei Fast Forward gehen, um das Ausschöpfen des Empörungspotenzials.
Wenig Empörung, dafür umso mehr schöne Bilder stiftete die ungarische Szputnyik Shipping Company mit ihrer Umsetzung von Bert Brechts „Baal“ im LOT-Theater. Das in einer ganzen Reihe von Fassungen als ewiges Fragment existierende Stück, inszeniert Dániel D. Kovács als optisch starke musikalische Ensemble-Narration, in der sich die Figur des Baal im Glauben an das unentrinnbare Schicksal des allseits bewunderten Lyrikers mit aller Macht und Kraft dem Exzess hingibt. Letztlich ein aufwendiger, jedoch auch recht konventioneller Beitrag. Einen völlig anderen Regie-Zugriff gab es unter anderem mit dem Eröffnungsstück „Champs d’Appel“. Hier sucht Francois Lanel mit seinen Darstellern Fantasieräume. Er findet sie nach zäher Einführung zu „Abstammungsverkettungen“ in einer Art Riesen-Kinderzimmer, in dem der Mülltonnendeckel zum Schutzschild und ein Wäschekorb zum Helm eines Ritters werden. Maschinen zaubern Rauchringe, ein gut verknotetes Gestänge wird mühsam aufgerichtet und zur zufälligen Skulptur. Letztlich münden Forscherdrang und Entdeckungsreise – einen großen Teil zum Gelingen der Performance trägt Marion Siéfert mit ihrer deutschen Übertragung bei – in einem einzigen Piepsen und Blinken in Nebelschwaden. Für Erwachsene mag das alles meschugge sein, aus Sicht eines Kindes ist es sicher hochlogisch.
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