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Musikalische Schneeballschlacht

Das Wintertheater im Spiegelzelt an der Martinikirche eröffnet mit launigem „Winterklater“.

Von Andre Pause, 25.11.2012.

Braunschweig. Mit dem „klaren A“ kann man in Braunschweig einfach nicht verlieren. Wer daran noch Zweifel hatte, ist diese Sorge nach „Winterklater“, dem Eröffnungsstück des Wintertheaters im Spiegelzelt an der Martinikirche, endgültig los.

Die sprachliche Eigenheit Braunschweiger Machart ist Kulminations- und Knotenpunkt des zweistündigen Programms, das vom Schöpferduo Peter Schanz und Christian Eitner – den Experten, wenn es um lokalkolorierten Bühnenstoff geht – im Veranstaltungsheft recht exakt als musikalische Schneeballschlacht angekündigt wird.
Der von Schanz persönlich moderierte bunte Reigen aus Geschichten – oder Döneken, Sch(g)anz wie Sie möchten –, Rollenspielen und Liedern macht einen Roten Faden entbehrlich. Stattdessen gibt es zusätzlich zum ausgeschenkten Mummepunsch: Wollknäuel, was in Anbetracht der kalten Jahreszeit ja auch viel kuscheliger ist, und gut zur heimeligen Atmosphäre des Spiegelzeltes passt. Wie am brennenden Kamin, das alles. Die roten Wollmützen und rot-weißen, pardon: rot-waaaßen, Schals, welche die Akteure auf der kleinen runden Bühne zunächst tragen, werden also schnell abgelegt.
Für die musikalischen Schneebälle bei Winterklater sorgen Jule Frenk und Sacha Münnich, mit eingebraunschweigischten Versionen nationaler wie internationaler Superhits. Die instrumentale Grundlage dafür schaffen Christian Eitner (Bass und Akustikgitarre) und Simon Grey (Piano). Frenk, die angelehnt an einen alten Rudi-Carell-Hit eingangs und ausgangs fragt: „Wann wird’s mal wieder richtig Winter?“, punktet mit leicht rotziger, lakonischer Attitüde. Wenn sie mit nasaler Gitte-Hænning-Stimme Partner Münnich leicht vorwurfsvoll und schwer traurig ins Gesicht singt: „Du hast gesaaacht, du kommst vorbaaa, doch heut is Freitach, und das war Dienstach gewesen“, dann lacht und jauchzt das Publikum vor Vergnügen. Über Sascha Münnichs Sangesqualitäten viele Worte zu verlieren, hieße Eulen nach Athen tragen. Eigentlich ist es egal, in welche Rollen das gesangliche Schwergewicht im Laufe des Abend schlüpft, hier zählt nur die Stimme. Die erzählerischen Parts kommen schließlich fast ausnahmslos von Peter Schanz. Mal sind sie toll, wie die Geschichte von Hans-Günther im Glück, mal sind sie es nicht unbedingt (Zehendrehen am Ölpersee). Launiger Winterklater, Applaus.
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