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Moderne Kunst in der Kirche: Steckspielsteine unterm Kreuz

„Himmelsstürmer“ – Bund Bildender Künstler plant Kunstprojekt in den elf Gotteshäusern.

Von Birgit Leute, 12.05.10

Braunschweig. Kunst trifft Kirche. Klanginstallationen, Plastiken und Performances sollen die elf Braunschweiger Stadtkirchen in ein neues Licht rücken. Geplant ist das Projekt „Himmelsstürmer“ für den Sommer 2011. Künstler aus drei Städten trafen sich in diesen Tagen für erste Gespräche.

Mechtild Böger hat den Kopf in den Nacken gelegt und blickt die Wände der Bartholomäus-Kirche hoch. Die Bremerin ist eine der
26 Künstler, die in die engere Wahl für das Projekt „Himmelsstürmer“ gekommen sind. Mit kleinen Steckspielsteinen, einem Kinderspielzeug aus den 50er Jahren, plant sie ein Kleid zu knüpfen, „ein Gewand, das an Wandlung, an die Liturgie erinnern soll“, erklärt sie. Wenn die „Hausherrin“, Pastorin Sabine Dressler-Kromminga, zustimmt, soll es später einmal neben dem Altar oder an den Seiten hängen.
Das Projekt „Himmelsstürmer“ stammt noch aus der Zeit, als sich Braunschweig für den Titel „Kulturhauptstadt“ beworben hat. Der Bund Bildender Künstlerinnen und Künstler, kurz BBK, war von den vielen mittelalterlichen Kirchen so angetan, dass er sie als Kunstorte vorschlug. „Zwar sind wir am Ende nicht Kulturhauptstadt geworden“, so Edith Grumbach-Raasch vom BBK, „aber umsetzen möchten wir das Projekt dennoch.“
Nicht nur Braunschweiger Künstler sind aufgefordert, Installationen für die Kirchenräume zu kreieren. Auch Künstler aus Bremen und Leipzig – beides Städte, die im Rennen um den Titel ebenfalls ausgeschieden waren – sind mit dabei. Beim Rundgang durch den Dom, St. Ägidien oder St. Michaelis zeigten sie sich beeindruckt: „ Die weiten Räume, die rigide Trennung von Gut und Böse, hell und dunkel – das ist schon eine echte Herausforderung für einen Künstler“, sagt Anja Fußbach aus Bremen.
Eine Herausforderung war das Projekt auch für die Propstei und die Gemeindevertreter. Ging das überhaupt – moderne Kunst in der Kirche? Und wie weit durfte sie gehen? Die Zweifel währten nicht lange. „Als reformierte Kirche haben wir sicher ein anderes Verhältnis zu Bildern. Fest installiert gibt es bei uns gar keine“, erklärt Dressler-Kromminga. Aber in der reduzierten Form, so die Pastorin, sei das kein Problem.
Die Entwürfe der Künstler werden vom 22. Juni bis 21. August in der Stadtbibliothek ausgestellt. Eine Jury entscheidet dann, welche Kunstwerke im nächsten Jahr zum Zuge kommen. „Die Zahl hängt sicher auch davon ab, wie viele Sponsoren sich bereit erklären, das Projekt zu fördern“, so Grumbach-Raasch.
Informationen gibt der Bund Bildender Künstler unter www.bbk-bs.de oder unter Telefon 34 61 66.
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