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„Mitte 20 sind die Jungs noch süß“

Ausverkauftes Haus: Ina Müller in der VW-Halle – Frauen begeistert, Männer mussten tapfer sein.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 14.12.2011.

Braunschweig. Auf ältere Herren und ihre Probleme hat Ina Müller schlicht keinen Bock: „Mitte 20 sind die Jungs noch süß, sind nicht so ranzig, nicht so feist und fies“, singt sie den Menschen in der ausverkauften VW-Halle vor. Und die Frauen im Saal lächeln irgendwie versonnen.

Es geht munter weiter: „Mit Mitte 20 sind die Jungs nicht reich, doch sie bemüh’n sich, und ihre Haut ist weich (...). Sie sind so schön anzusehen, wenn sie duschen gehen“, röhrt sie weiter und macht ihrem jungen Hüpfer im Lied noch ein Kompliment: „Das gerad‘ im Bett, das hast du gut gemacht!“
Erstaunlicherweise verlässt niemand der arg gebeutelten älteren Männer das Konzert, im Gegenteil, sie liegen der attraktiven Frau mit der Kodderschnauze kollektiv zu Füßen.
„Komm, Braunschweig“, ruft sie am Ende, „komm’, tanz mit mir!“ Längst stehen die mehr als 6500 Zuschauer klatschend und singend in den Reihen, nun strömen die Fans direkt vor die Bühne. Und Ina – jetzt im weißen Bademantel („nach 30 Jahren Udo Jürgens übernehm ich das“) – steigt über die Stühle („Rentnerdiving“), und lässt sich dabei von den vorher so heftig attackierten Männern helfen. Sie juchzt und gluckst, sie sonnt sich im Erfolg. Und den hat sich die temperamentvolle Frau verdient: Zweieinhalb Stunden Show ohne Pause legt die 46-Jährige im schwarzen Outfit auf Extrem-Highheels hin. Zum Schluss ist sie erhitzt und errötet, leicht verwuschelt – und dadurch einfach noch süßer.
Mit ihrer lockigen Frisur und den braunen Augen strahlt sie so einen mädchenhaften Monchhichi-Charme aus, und der erlaubt es ihr, bretthart zuzuschlagen und mitunter deutlich unter der Gürtellinie zu landen – ohne das irgendwer sauer wäre. „Wenn die Glocken länger werden als das Seil – in den Sand setzen“, rät sie beispielsweise den besagten älteren Herren für eventuelle Nacktfotos am Strand.
Ina Müller ist zum Brüllen komisch, zieht Schnuten und Grimassen, kann sich fantastisch bewegen und ist schlichtweg eine Augenweide. Besonders stark ist der Kontrast vom heftigen Kalauern mit ihrem trockenen, beißenden Humor zu einer ihrer melancholischen, tiefgründigen Balladen; gesungen mit ihrer typisch rauchigen Stimme: „...Ich hab dich heut noch nicht gegoogelt, hab zweimal nur geweint, hab letzte Nacht ganz kurz geschlafen, die Nachbarn nicht geweckt, ein Kissenberg hat den Schrei nach dir erstickt. Ich bin fast drüber weg.“
Ein sensationelles Konzert.
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