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Mit Mut gegen die Geilheit

Eine Frau befreit sich: Tosca (Yannick-Muriel Noah) ersticht den Polizeichef Scarpia (Oleksandr Pushniak). Fotos: Beinhorn

Yannick-Muriel Noah gibt im Staatstheater eine extrem toughe Tosca.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 16.09.2016.

Braunschweig. Zum Inhalt: Mario Cavaradossi malt für den römischen Klerus, sympathisiert aber mit der „repubblica romana“ und versteckt einen geflohenen Republikaner. Floria Tosca feiert Erfolge als Sängerin auf den Festen der Gegner der Republik. Mario gerät in die brutale Gewalt des Staates. Sein Vollstrecker Baron Scarpia mag von politischem Eifer getrieben sein. Im Fall von Tosca und Mario handelt er aus eifersüchtiger Geilheit. Um Mario zu retten, lässt sich Tosca auf ein erpresserisches Geschäft mit Scarpia ein.

In Braunschweig ist diese Frau ein Ereignis: eine grandiose Stimme – ohne Larmoyanz und packend zwischen Eifersuchtsgeplänkel, Panik und Entschlossenheit. Dazu eine umwerfende Erscheinung. Yannick-Muriel Noah heißt der Star in Roland Schwabs „Tosca“ am Staatstheater. Kraftvoll, selbstbewusst, erotisch. Ebenso ein Ereignis ist Oleksandr Pushniak als Baron Scarpia. Schwitzend, stöhnend, mampfend und dröhnend gibt er dem menschenverachtenden Polizeichef Wucht und Präsenz. Stimmlich stehen ihm offenbar mühelos alle Mittel zu Verfügung, um von höchster Ekstase in leisere Töne zu wechseln.
Souverän, strahlend und sympathisch singt und spielt Arthur Shen seinen Mario Cavaradossi. Auch Rossen Krastev als Angelotti überzeugt wie das gesamte Ensemble. Der hohe Wirkungsgrad von Puccinis perfektem Drama wird vor allem durch magisches Licht auf einer schwarzen Bühne gebündelt und geschärft. Maximale Spannung.
Das Orchester unter der Leitung von Georg Menskes spielt alle kleinen und großen Thriller-Effekte in Puccinis Meisterpartitur elektrisierend forsch und spannend. Ein sehens- und hörenswerter Abend.
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