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Mit der Kettensäge im Drachenmaul

Konrad Körner in Aktion. Mit der Kettensäge formt der Bildhauer derzeit die Motive für die Wagen, die beim diesjährigen Schoduvel dabei sind. Fotos: Nizar Fahem
 
Dieter Heitmann, Vorstand des Fördervereins Karneval (l.), und Wagenbauer Konrad Körner mit dem Modell des Alba-Wagens.

Konrad Körner gestaltet die Motivwagen für den Schoduvel am 11. Februar.

Von Birgit Wiefel, 10.01.2018.

Braunschweig. Im Schoduvel-Zentrum fliegt zurzeit das Styropor in alle Richtungen. Kreischend fährt die Kettensäge von Konrad Körner in das schneeweiße Material. Für ihn und die Kollegen Torsten Koch und Mathias Rosenbusch herrscht höchste Eisenbahn: nur noch vier Wochen bis zum Karnevalsumzug.

Rund um die Uhr steht Körner jetzt auf der Leiter in den Hallen in Kralenriede und formt Fabelwesen oder Politiker für ihren großen Auftritt am 11. Februar.
Fast 120 Motivwagen werden sich dann ab 12.40 Uhr unter dem Motto „Gleich und fröhlich mit viel Jubel feiert Brunswiek den Schoduvel“ wieder in Bewegung setzen – allein 90 aus Braunschweig. Kein Wunder, dass das Schoduvel-Zentrum in der ehemaligen Husarenkaserne langsam aus allen Nähten platzt.
Wir haben uns zusammen mit Dieter Heitmann vom Förderverein Karneval und Konrad Körner im „Hauptquartier“ des Braunschweiger Karnevals umgesehen.

„Ich bin etwas unter Druck“. Konrad Körner schiebt den Gehörschutz nach hinten, hebt entschuldigend die Hände. Pudelmütze, Weste und Hose sind bedeckt mit feinen weißen Styroporkügelchen. Es knirscht bei jedem Schritt in den Hallen des Schoduvel-Zentrums.
Karneval liegt in diesem Jahr besonders früh. Jetzt – auf der Zielgeraden – arbeitet Körner sieben Tage die Woche im Zentrum in Kralenriede und stellt zusammen mit Torsten Koch und Mathias Rosenbusch Karnevalswagen wie am Fließband her. „Besonders eng wird es bei denen, die aktuelle politische Motive verwenden und wirklich erst kurz vorher fertig werden können“, sagt Körner.

Zum Glück ist das bei dem Fantasiedrachen von Alba, an dem der studierte Bildhauer an diesem Morgen bastelt, nicht der Fall. 20 Kubikmeter Styropor hat der 49-Jährigen dafür zuerst in Blöcke zusammengeleimt, mit der Säge grob vorgeformt und anschließend mit einem Küchenmesser fein geschliffen. Noch wirkt das Ungetüm vom Typ „Nessi“ etwas blass, aber in den nächsten Tagen erhält der Aufbau die Grundierung und wird dann genauso bunt und leuchtend wie die restlichen Wagen, die beim 40. Braunschweiger Karnevalsumzug durch die Innenstadt ziehen.
„Der Schoduvel wächst und wächst“, stellt Dieter Heitmann, neu gewählter Vorsitzender des Fördervereins Karneval, fest. Das ist auf der eine Seite schön, wirft aber auf der anderen auch Probleme auf. Das Schoduvel-Zentrum in der ehemaligen Husarenkaserne ist inzwischen völlig überfüllt. „Schon in den vergangenen Jahren reichten die Hallen nicht mehr, um alle Wagen unterzustellen. Rund
40 mussten wir auswärts unterbringen“, sagt Heitmann. Das kostet Geld. Einige der Wagen hatten in der drangvollen Enge zudem schon Schaden genommen, „und auch die Wagenbauer haben kaum noch Platz zum Arbeiten“, beschreibt der Vorstand das Problem.

Das soll sich ändern. Derzeit entsteht auf dem Gelände eine neue 1800 Quadratmeter große Leichtbauhalle für 30 Fahrzeuge. Die Kosten von rund
300 000 Euro trägt der Förderpool „Karneval 111“, ein Zusammenschluss von Unternehmen aus der Region, die für die finanzielle Basis der Schoduvels sorgen. „Nach Verzögerungen bei den Erdarbeiten rechnen wir damit, dass die Halle im Sommer fertig wird“, sagt Heitmann, der noch einen weiteren Traum hat: Den Bau eines Karnevalszentrums, in dem die Gruppen das ganze Jahr über trainieren können – „das ist aber noch Zukunftsmusik“, bremst Heitmann vorsichtshalber Erwartungen.
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