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Mikroplastik: Aktion am Ritterbrunnen von Greenpeace Braunschweig und Lucas Kuster

  Braunschweig: Platz Am Ritterbrunnen |

Es ist Samstag der 09.09.2017 und wir befinden uns auf dem Platz am Ritterbrunnen. In einer Symbiose aus Infoaktion und kritischer Ausstellung haben sich Greenpeace Braunschweig und Lucas Kuster (Student Transformation Design, HBK) zusammengefunden und zeigen eine ungewöhnliche Installation inmitten der Braunschweiger Innenstadt.
In der gemeinsamen Intervention werden die unangenehmen Folgen von Mikroplastik thematisiert und ein Blick in die besorgniserregende Zukunft der Meere geworfen – und in unsere eigene.

Eine Schaufensterpuppe in Kindergröße sitzt auf dem Boden und ist kurz davor einen Hering zu verspeisen. Messer und Gabel sind bereits gezückt, jedoch quillt eine undefinierbare Masse in greller Farbe aus dem Fisch vor ihr hervor, die den Genuss zu mindern scheint. Gegenüber der kleinen Puppe ist ein erwachsener menschlicher Körper aus glänzendem Plastik aufgestellt, der mit eben dieser Aufmerksamkeit erregenden Masse versehen ist. Auch hier scheint der Auswuchs aus der Magengegend hervorzutreten. Es wirkt gruselig, fast skurril.

Menschen bleiben stehen und fragen: „Was passiert hier? Was ist das? Was soll das?“ und stolpern dabei über die Informationsschilder die in leuchtender Schrift eine Telefonnummer zeigen. Aber was ist das für eine Nummer? Passanten greifen nach ihren Mobiltelefonen und tippen hastig die Zahlen ein. Danach folgen 90 Sekunden des Zuhörens; eine Mailboxansage erklärt die Szenerie, beschreibt in kurzen und verständlichen Worten die Mikroplastikproblematik in ihren Grundzügen und fragt die interessierten Anrufer_Innen nach ihrer Meinung. Diese wandern während der Ansage langsam über den Platz, starren auf die Schaufensterpuppen oder setzen sich auf die Sitzbank in mitten des Szenarios. Von hier hat man einen guten Blick über den Hof am Ritterbrunnen und schaut direkt auf den Eingang der Schloss Arkaden. Von den Schaufensterpuppen lässt sich der Blick dennoch nur schwer lösen – zu surreal ist der Anblick der bunten Farben auf den schneeweißen Körpern der Puppen. Nach dem Piepton der Sprachbox können die Zuhörer_Innen ihre Meinung kundtun: Manche sprechen ein einzelnes Wort, manche auch mehrere Sätze, andere wagen nicht sofort den Telefonanruf und wenden sich zunächst skeptisch an den Greenpeace Infostand. Hier wird mit einem anschaulichen Plakat erklärt, was es mit der Aktion auf sich hat und worauf beim Kauf von Kosmetikprodukten zu achten ist. Denn diese sind einer der vielen Gründe, warum auch durch Braunschweiger Abwasserleitungen Mikroplastik fließt.

Insgesamt zeigt sich an diesem Tag vor allem eines: Die Aktion wirkt. Kinder laufen mutig auf die Puppen zu und beäugen diese ausführlich und locken dabei ihre Eltern an, skeptische Zuschauer_Innen halten etwas Abstand, wählen von weitem die Nummer und treten als Beobachter auf, während andere mit sehr konkreten Fragen und Zweifeln lieber den direkten Kontakt zu den Ansprechpartner_Innen von Greenpeace suchen. Die Aktion sucht das Gespräch mit interessierten Personen, öffnet sich aber auch skeptischen Sichtweisen und findet so Zugang zu Nicht-Interessierten.



Für die Interessierten hier die Verschriftlichung der Sprachnachricht, die bei Anruf auf dem Mobiltelefon zu hören war:


Heute ist der neunte September 2017. Es ist Abend und Du befindest Dich im Wohnzimmer – am Esstisch. Neben Dir nimmt ein junger Mensch eine Mahlzeit zu sich. Um diesen breiten sich, als fiele ein Stein ins ruhige Wasser, konzentrische Kreise aus.

Heute ist der neunte September 2018. Es ist Mittag und Du befindest Dich auf dem Platz am Ritterbrunnen.
Du sitzt auf einer Bank. Oder stehst daneben. Vor Dir liegt ein gestrandeter Wal auf etwas Treibgut. Nein, ein Mensch auf einer Holzpalette. Nein, Ein Wal. Nein, ein Mensch.

Kunststoffe die eine Größe von weniger als 5 mm besitzen werden Mikroplastik genannt. Das häufig darin enthaltene gesundheitsschädliche BPA lässt sich mittlerweile im Körper von 90 Prozent aller Menschen in industrialisierten Staaten nachweisen. Mikroplastik befindet sich in vielen Produkten, wie etwa in bestimmten Kosmetika oder synthetischer
Kleidung. Beim Duschen oder Waschen gelangt es in das Abwasser – und letztendlich ins Meer. Die Belastung der Meere ist jedoch nicht ausschließlich mit Küstenregionen zu verknüpfen. Braunschweig befindet sich etwa 193 km Luftlinie von der Nordsee entfernt. Dennoch besteht eine Verbindung zum Meer: Von der Oker über die Aller, fließt das
Wasser in die Weser und gelangt so in die Nordsee. Die Kunststoffe werden von Tieren gefressen und können nicht ausgeschieden werden – die Tiere verhungern. Oder landen auf unseren Tellern – mit Mikroplastik im Körper. Das ist problematisch, denn: Auf seiner Reise kann sich Mikroplastik mit vielen giftigen Stoffen verbinden und so Krankheiten
und Geburtenfehler hervorrufen oder sogar zum Tod führen. Vor Dir liegt ein Wal. Nein, ein Mensch.
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