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„Mein Zuhause ist die Musik“

Vicky Leandros hatte ihr Publikum im Griff. Foto: André Pause

Vicky Leandros verzauberte ihr Publikum bei Kultur im Zelt zum 50-jährigen Bühnenjubiläum.

Von André Pause, 30.08.2016.

Braunschweig. Es gibt ja Sachen im Leben, die vergisst man einfach nicht. Vicky Leandros hat sich offenbar eine Begegnung mit einem Fan nachhaltig ins Gehirn gebrannt. Dieser reichte der Sängerin, als deren Tränen der Rührung bei einem früheren Konzert in Braunschweig partout nicht versiegen wollten, ein Taschentuch. Soweit so fürsorglich. Was den Moment bis heute memorabel macht, ist des Mannes lakonischer Kommentar bei der Übergabe: „Ist sauber!“

Diese Anekdote erzählte Leandros schon bei ihrem letzten Auftritt bei Kultur im Zelt vor zwei Jahren, und sie trägt sie zur Erheiterung aller im ausverkauften Zirkus-Rund auch dieses Mal vor. Überhaupt ist die charterprobte Fachfrau für Chanson, Pop und Schlager schwer in Plauderlaune, an diesem Sonntagabend im Bürgerpark. Zwischen den Songs ihres Programms zum 50-jährigen Bühnenjubiläum sucht sie immer wieder den Kontakt zum Publikum. Dabei wirkt sie charmant, aufgeräumt und bei aller durchschimmernder Divenhaftigkeit: routiniert-locker.

Nur einmal wird es eine Nuance zu schwülstig, als die Sängerin die zwei Eckpfeiler ihrer langen Laufbahn hervorheben möchte: „Mein Zuhause ist die Musik. Und die andere Konstante ...“, sagt sie, um nach einer betont langen Kunstpause hinzuzufügen: „sind Sie.“
Musikalisch haben Vicky Leandros und ihre sechsköpfige Band die Besucher freilich schnell auf ihrer Seite. Anders als vor zwei Jahren, als die 64-Jährige auf pompösen Big-Band-Sound setzte, gibt es dieses Mal das eher klassische Pop-Gewand, ergänzt durch Instrumente wie Banjo, Bouzouki oder Flöte, die den Folk-Charakter einiger Songs unterstreichen.
Eröffnet wird der brutto zweieinhalbstündige Abend (eine üppige Pause von 40 Minuten muss abgezogen werden) mit dem lebensreflektierenden, mild sentimentalen „Das Leben und ich“ vom aktuellen Singer-Songwriter orientierten Album „Ich weiß, dass ich nichts weiß“. Gleich darauf ein Klassiker zum Mitklatschen: „So wie ich bin“, das schwelgerische „Le Temps Des Fleurs“ („Those Were The Days“) und „Möge der Himmel“, das in Zusammenarbeit mit Xavier Naidoo entstand und dessen pathetischer Duktus deutlich herauszuhören ist.

Alte und neue Lieder werden in der Folge abwechslungsreich zu einem höchst unterhaltsamen Abend gefügt. „Ich will alles“ gibt Vicky Leandros a cappella. Ein ehrlicher Gänsehautmoment, bevor es im Abschlussblock mit „Titeln, die Sie vielleicht kennen“ an die Hits geht: „Grüße an Sarah“, „Verlorenes Paradies“, „Ich hab‘ die Liebe geseh’n“, „Ich liebe das Leben“ und „Theo, wir fahr‘n nach Lodz“. Das verzückte Publikum steht hier längst Kopf – und der Star genießt das Bad in der Menge.
Zum Abschluss gibt es "Auf Wiederseh'n, ihr Freunde mein“. Keine Taschentücher aus dem Zuschauerraum, aber völlig zurecht: stehende Ovationen!
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