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Mehr als buntes „Multi-Kulti“

„Interkulturelle Woche“ bis 30. September.

Von Birgit Leute, 25.09.2011

Braunschweig. Was ist für Chinesen genauso wichtig wie das Neujahrsfest? Das Mondfest. Die „Interkulturelle Woche“, die noch bis Freitag in Braunschweig stattfindet, sorgt für manches Aha-Erlebnis.

Am gestrigen Sonnabend stellten sich unter anderem Vereine aus China, Gambia, Korea und der Türkei vor. Heute findet ab 13.30 Uhr die „Intergrale“, ein Sportfest der Religionen im Konrad-KochStadion statt.
Die „Interkulturelle Woche“ will mehr sein als buntes „Multi-Kulti“: In Vorträgen und Podiumsdiskussionen werden durchaus auch ernste Töne angeschlagen, die Folgen der Migration beleuchtet. Veranstaltet wird die Aktion seit 1975 von Kirchen, Verbänden und Kommunen. In Braunschweig findet am 30. September die bundesweite Abschlussveranstaltung unter anderem mit einem Festakt in der Dornse statt.
Wer auswandert, lässt Vertrautes hinter sich. „Macht Migration krank?“ fragte deshalb Dr. Senol Elmas, Arzt in Göttingen, gestern in einem Vortrag im türkischen Kulturverein „Gökkusagi“. Um es gleich zu sagen: Ja, sie macht krank. „Vor allem Türken der ersten und zweiten Generation leiden häufig unter Depressionen“, erklärte Elmas, der am evangelischen Klinikum Göttingen-Weende arbeitet, den rund 20 deutschen und türkischen Zuhörern in der Kuhstraße 26.
Die Schwierigkeiten mit der Sprache, der Rückzug in die Familie, ins eigene Heim – all das nagt an der Seele. „Das Problem ist: Wer an einer Depression leidet, muss darüber reden können, doch genau daran scheitern viele Therapien. Der Patient spricht kein Deutsch, der Arzt kein Türkisch“, plädiert Elmas für ein mehrsprachiges Gesundheitssystem, das auf die immer größere Zahl älterer Türken eingeht.
Weniger nachdenklich ging es beim Mondfest der Deutsch-Chinesischen-Gesellschaft und der Chinesischen Schule „Kleine Tiger“ zu. „Das Fest ist für die Chinesen mindestens genauso wichtig wie Neujahr“, klärt Trieu-Chi Phung, Vizepräsident der Gesellschaft, auf und drückt dem staunenden Besucher gleich einen zuckersüßen und eigens für diesen Tag gebackenen „Mondkuchen“ mit einer Paste aus Lotussamen in die Hand.
Deftiger, oder besser: schärfer brodelte es im Topf von Agi Fatou und Linda Jancke aus Gambia. Domoda hieß das Gericht, das sie im Kinder- und Jugendkulturzentrum B58 anboten, eine Art Eintopf aus Fleisch und Erdnusssoße. „Wir machen ihn aber heute nicht so scharf wie zu Hause“, schmunzelt Agi Fatou.
Höhepunkt der „Interkulturellen Woche“ ist die bundesweite Abschlussveranstaltung am Freitag (30. September), 17 Uhr, mit einem ökumenischen Gottesdienst im Dom. Landesbischof Friedrich Weber, der katholische Bischof Norbert Trelle und Vasilios von Aristi, Bischof der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland, werden zum Motto der Aktion „Zusammenhalten – Zukunft gewinnen“ sprechen. Im Abschluss daran folgt ein nicht-öffentlicher Festakt in der Dornse.
Ausführliche Informationen zum Programm der „Interkulturellen Woche“ im Internet unter www.braunschweig.de.
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