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Mehr als 50 Karten, jede Menge Infos und ganz viele Geschichten

Der Historische Städteatlas dokumentiert mehr als 1000 Jahre braunschweigische Geschichte: Hier präsentiert von (von links) Tobias Henkel, Dr. Angelika Lampen, Dr. Henning Steinführer, Professor Dr. Wolfgang Meibeyer und Professor Dr. Werner Freitag. Foto: Thomas Ammerpohl

Der Deutsche Historische Städteatlas Nummer 4 beleuchtet mehr als 1000 Jahre Braunschweig.

Von Ingeborg Obi-Preuß. 21.12.2013. Braunschweig. Ein neues Kartenwerk: Der Deutsche Historische Städteatlas Nummer 4 widmet sich Braunschweig. „Wir freuen uns sehr über den Abschluss eines wunderbaren Projektes“, sagte Tobias Henkel, Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, bei der Vorstellung der Publikation.

Der Städteatlas bietet eine umfangreiche Materialsammlung: Das Textheft enthält einen aktuellen, mit vielen historischen Abbildungen illustrierten Beitrag zur historisch-topographischen Entwicklung der Stadt von ihren Anfängen bis heute. Thementafeln vertiefen Aspekte der Stadtgeschichte mit Texten und Bildern, vor allem aber mittels thematischer Karten. Das Institut für vergleichende Stadtgeschichte (IStG) in München, am dem die Reihe Deutscher Historischer Städteatlas herausgegeben wird, hat eng mit dem Stadtarchiv Braunschweig zusammengearbeitet. Finanzielle Förderung gab es von der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz.
Ein großes Werk
„Es ist ein großes Werk“, sagte Dr. Angelika Lampen, „mit mehr als 50 Karten, drei Jahre haben verschiedene Wissenschaftler in Braunschweig und Münster daran gearbeitet.“ Entstanden sei ein „höchst konzentrierter Überblick“, der Veränderung dokumentiert, in den Blick nimmt und Zeit und Raum anschaulich darstellt. „Beleuchtet werden dabei auch die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umstände für Wachstum und Wandlung, Stagnation und Schrumpfung, ebenso wie die maßgeblichen Akteure“, erklärte Lampe.
Kern des Werkes seien die großen Grundrisskarten aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Die jüngste Karte ist aus dem Jahr 2009.
„Die ungeheuren Entwicklungen der Stadt zwischen 1860 und 1900 sind beispielhaft dokumentiert“, erklärte Professor Dr. Wolfgang Meibeyer. Durch die Residenzansprüche und die Entwicklung der Randbereiche habe die Stadt in diesen Jahren ihr Gesicht völlig verändert.
Auch der Zeit des Nationalsozialismus sind viel Raum, ein wesentliches Kapitel und eine spezielle Karte gewidmet. „Erstmals sind alle Einrichtungen der NS-Zeit in Braunschweig auf einer Karte dargestellt“, erklärte Meibeyer. Es sei dadurch anschaulich zu erkennen, wie sich Braunschweig bereits ab 1933 als möglich GAU-Hauptstadt zu positionieren versuchte. „Wir visualisieren historische Forschung im Kartenbild“, fügte Angelika Lampen an, „hier wird deutlich, wie sehr Braunschweig mit nationalsozialistisch bedeutenden Orten aufgeladen wurde.“
Interaktiv im Web
Zum Historischen Städteatlas Braunschweig gibt es auch eine interaktive Web-Anwendung (soll Ende Dezember fertig sein).
Darin lassen sich die historischen Grundrisskarten betrachten und zoomen, sowie durch Überblendung untereinander und mit einem modernen Stadtplan vergleichen. Eine interaktive Entwicklungsphasenkarte zeigt die Wachstumsbereiche zu unterschiedlichen Zeiten und liefert die historischen Daten dazu. Ein drittes Modul veranschaulicht das Flächenwachstum Braunschweigs außerhalb der Umflut nach seinen historischen Perioden bis 2006. Auf diese Weise lässt sich zum Beispiel das Ausmaß der nationalsozialistischen Siedlungspolitik, mit der Braunschweig als besonderes Vorzeigeobjekt in den Fokus genommen wurde, in Relation zur vorher bebauten Fläche anzeigen.

FAKTEN
Der „Deutsche Historische Städteatlas“ ist das vierte abgeschlossene Projekt dieser Reihe in Deutschland. Er steht an prominenter Stelle in einer Reihe von etwa 500 bereits existierenden Städteatlanten europaweit: Es handelt sich dabei um Publikationen von ähnlichen Städteatlasprojekten, die in bislang 17 europäischen Staaten von Island bis Italien und von Irland bis Rumänien nach gemeinsamen Richtlinien arbeiten. Verantwortliche Autoren für den Städteatlas Braunschweig sind der Stadtgeograf Professor Dr. Wolfgang Meibeyer, Dr. Henning Steinführer (Leiter des Stadtarchivs Braunschweig) sowie Dr. Daniel Stracke, IStG Münster. Fachkollegen unterschiedlicher Disziplinen, beispielsweise der Braunschweiger Bezirksarchäologe Dr. Michael Geschwinde für die Stadtkernarchäologie oder Dr. Hans-Ulrich Ludewig für die Entwicklung Braunschweigs im Nationalsozialismus, lieferten weitere Beiträge.
Der Städteatlas ist für 37,95 Euro erhältlich, in der Stadtbibliothek kann er eingesehen werden.
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