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Manon Lescaut: Bis zum hohen C – und weiter

Giacomo Puccinis Oper „Manon Lescaut“ hatte Premiere im Staatstheater – Publikum feiert das ganze Ensemble

Von Ingeborg Obi-Preuß

Braunschweig. „Wenn diese Oper kein Erfolg wird, such ich mir einen anderen Beruf“ ist von Giacomo Puccini überliefert. „Manon Lescaut“ wurde gefeiert. Bei der Uraufführung 1893 in Turin – und bei der Premiere am Freitagabend in Braunschweig.

Regisseur Matthias Schönfeldt und seinem Team ist es gelungen, die etwas gestrige Geschichte um Manon Lescaut – Mädchen aus besseren Kreisen ist hin- und hergerissen zwischen wahrer Liebe oder Luxusleben – eine Aktualität zu geben, die im Laufe des Stückes ungemeine Sogkraft entwickelt. Manon Lescaut, eine junge hübsche Frau, brennt, statt ins Kloster zu gehen, mit jungem Mann durch, entscheidet sich dann aber für den Geschäftsmann mit Geld. Schließlich siegt die Liebe – doch die hat keine Chance mehr. Typisch italienische Oper.
Am Staatstheater bekommt die Geschichte Vielschichtigkeit, wird psychologisch. Liebe, Sexualität, Gier und Sehnsucht zeigen auch ihre zerstörerischen Seiten.
Ein beklemmendes Bühnenbild (Birgit Angele) verdichtet die Spannung, erzeugt durch eine drehende Wand, die je nach Stellung und Beleuchtung, Stimmung, Zeit und Ort der Handlung bestimmt und die Protagonisten zum Teil führt oder an die Wand drängt. Besonders der dritte Akt – Manon im Gefängnis – geht durch Mark und Bein. Kapuzengestalten erinnern an die Folterbilder aus Abu-Ghuraib, eine Massenerschießung steht im abstoßenden Kontrast zu einer blasierten Cocktailpartygesellschaft, die mitleidlos und offensichtlich völlig unberührt das Geschehen verfolgt.
Galina Shesterneva ist eine Manon Lescaut voller Kraft und absolut glaubwürdig. Eine wunderbare Stimme und ein Spiel voller Hingabe. Die Zerrissenheit der Manon ist greifbar. Gemeinsam mit ihrer großen Liebe Des Grieux (Arthur Shen als Theologe, der das Kreuz für seine Manon in die Ecke schmeißt), singt sie Gefühle pur bis zum letzten gehauchten Liebesschwur. Beide werden vom Publikum besonders gefeiert.
Aber auch George Stevens als Manons Bruder Lescaut überzeugt. Ein starker Bariton wie gemacht für die italienische Oper. Dae-Bum Lee, schneidig als kühler Geronte, wird schließlich genauso stürmisch bejubelt wie das ganz Ensemble, auch der wie ein geschmeidiger Klangkörper auftretende Chor.
Das Staatsorchester buchstabiert Liebe, Schmerz und Tod in Tönen. Allein für das Orchester-Intermezzo vor dem dritten Akt lohnt sich der Theaterbesuch. Alexander Joel treibt die Handlung voran und das Liebespaar bis zum hohen C – und weiter.
Die nächsten Vorstellungen sind am 21., 28. Oktober, 1., 7., 14. und 28. November. Karten im Staatstheater oder telefonisch unter 1 23 45 67.
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