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„Man kommt ins Spielerische“

Die jungen Leute in der LAB nehmen das Angebot des Grins-Vereins dankbar an. Foto: A. Pause
 
Theresa Meidinger (l.) und Regina Peper leiten die theaterpädagogischen Workshops in der LAB. Foto: André Pause

Der Grins-Verein arbeitet theaterpädagogisch mit Bewohnern der Landesaufnahmebehörde.

Von André Pause, 20.02.2016.

Braunschweig. Allzu oft geht es in der nicht immer mit kühlem Kopf geführten Flüchtlingsdebatte darum, wie viele Menschen hierzulande integriert werden können.

Die Debatte um das „Wie“ kommt dagegen häufig ein wenig zu kurz. Der 2015 gegründete Grins-Verein hat sich die Förderung von Kunst und Kultur, kultureller Bildung sowie künstlerischer und theaterpädagogischer Projekte – insbesondere durch die Arbeit mit unterschiedlichen Kultur- und Zielgruppen – auf die Fahne geschrieben.

Und so kommen Regina Peper und Theresa Meidinger für den Grins-Verein regelmäßig für Workshops ins Heim der Deutsch-Brasilianischen Gemeinde unweit der Landesaufnahmebehörde (LAB). Der Empfang vor Ort ist geradezu herzlich. Die jungen Männer im Alter von 15 bis 25 Jahren begrüßen die ehrenamtlich engagierten Frauen, tragen ihnen einen kurzen Weg die Taschen.
Dann kann es los gehen. Einfache theaterpädagogische Spiele stehen auf dem Programm. Fast zu banal, um wahr zu sein, doch das Programm wirkt. Von Minute zu Minute ist die Stimmung gelöster. Die Übungen führen dazu, dass die Teilnehmer sich selbst und gegenseitig besser wahrnehmen, ein Gefühl für die Umgebung bekommen.

„Mit den Übungen kann man spielerisch die Präsenz auf der Bühne, eine Gruppendynamik, Aufmerksamkeit, Konzentration oder eine körperliche Wahrnehmung – also Mittel die wir für das Theaterspiel brauchen – erarbeiten. Man kommt ins Spielerische, und ohne dass man es wirklich merkt, wird es szenisch“, sagt Peper, die als Sprecherin im Staatstheater arbeitet und nebenbei einen Master in „Kultureller Diversität in der musikalischen Bildung“ absolviert hat. Der Workshop kommt ohne direkte Vorgaben aus, die unter Umständen ein Schamgefühl erzeugen könnten. Jeder ist im positiven Sinne mit sich beschäftigt jeder kann ausprobieren, und weil das alle tun, verlieren alle ihre Angst.

„Mein Schwerpunkt liegt bei dieser Gruppe nicht darauf, dass ich theoretisch eine hoch komplizierte Aufgabe erkläre. Hier geht es eher über die Körpersprache, über das zeigen über die Pantomime. Es ist schon etwas anderes. Ich leite anders an als sonst, weil ich nicht so stark mit Sprache arbeite“, skizziert Theresa Meidinger, die Darstellendes Spiel an der HBK studiert hat und zum ersten Mal 2013 in der LAB war. „Das war eine Zoo-Situation und für mich der Punkt, wo ich gedacht habe: Ich habe Theater gelernt. Wieso soll ich das nicht einmal hier austesten.“

Während die Workshops ein Begegnungsformat sind, bei dem die Bewohner der LAB untereinander und mit den Braunschweigern in Kontakt kommen sollen, agieren im parallel laufenden Theaterprojekt von Peper und Meidinger („15 Dinge, die Du über mich wissen solltest“) zwar fünf Menschen, die aus Braunschweig und der Region kommen sowie fünf Menschen die Fluchterfahrung haben, jedoch keine LAB-Bewohner. „Die Menschen aus der LAB stehen am Ende nicht auf der Bühne, weil der Transfer oft so kurzfristig ist, dass wir nicht wissen, ob die Person bei der Aufführung noch dabei sein kann“, sagt Meidinger.

Das Stück „15 Dinge, die Du über mich wissen solltest“ ist im Rahmen der Themenwoche Interkultur des Staatstheaters am 3. und 9. April zu sehen. Der nächste Workshop findet bereits in der kommenden Woche von Mittwoch bis Freitag statt. Neugierige Braunschweiger sind dabei ausdrücklich erwünscht. Infos: grinsverein.wordpress.com
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