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Mäßiger Theaterabend

Verquere Regie bei Grillparzer-Tragödie „Medea“ im Großen Haus.

Von André Pause, 27.04.2011

Braunschweig. Am 15. Mai sowie am 11., 18. und 24. Juni ist „Medea“ von Franz Grillparzer als Trauerspiel in fünf Aufzügen im Großen Haus des Staatstheaters zu sehen.


Zumindest am Sonntag des Premierenwochenendes konnte das Etikett Trauerspiel auch als Urteil durchgehen – was hauptsächlich an der etwas verqueren Regie von Sebastian Schug lag. Desweiteren bekamen Teile des Publikums ihren Hustenreiz nicht unter Kontrolle, so dass ganze Passagen der durchaus anspruchsvollen Dialoge einfach weggebellt wurden. Akustisch war das, was auf den hinteren Plätzen der Loge ankam, somit wirklich nicht mehr der Rede wert.
„Der Augenblick, wenn er die Wiege einer Zukunft ist, warum nicht auch das Grab einer Vergangenheit?“ fragt Medea eingangs. Unter der Führung Jasons fallen die griechischen Argonauten in Medeas Heimatland ein, um das „Goldene Vlies“ zu rauben. Doch Medea, Tochter des regierenden Königs, verliebt sich in Jason. Schlimmer noch, sie verrät ihre Familie, hilft Jason beim Raub und flieht mit ihm und seiner Beute. In Griechenland jedoch wird Medea wie eine Barbarin behandelt. Und obwohl die beiden längst verheiratet sind und zwei Kinder haben, wendet sich Jason seiner Jugendliebe Kreusa zu, der Tochter des regierenden Königs Kreon. Der König würde Jason gerne als Schwiegersohn sehen und will Medea fortschicken, allein, ohne ihre Kinder. Verstoßen und von ihrem Mann zurückgewiesen, sinnt Medea auf schreckliche Rache… so viel zum Inhalt.
Im Stück fällt Jason allerdings nirgends ein, er ist einfach nur da und hat mit Medea, während sie den Plunder der Vergangenheit vergräbt, bereits zwei Söhne. Sie gehen nach Korinth. Mit oder ohne Vlies, wer weiß das schon. König Kreon möchte jedenfalls, dass Medea das Land verlässt. Die wiederum möchte – wenn überhaupt – nicht ohne ihre Kinder gehen, doch die Söhne haben sich zwischenzeitlich von ihr abgewandt. Dann wieder doch nicht. Warum? Keine Ahnung. Man hört und sieht nicht alles an diesem Sonntagabend. Am Schluss sterben alle außer Medea und Jason durch ein Feuerkleid, das Medea der Kreusa vermacht hat. Ein mäßiger Theaterabend.
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