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„Männer, wir brauchen Eiiieerrr“

Atze Schröder mit seinem Programm „Revolution“ in der VW-Halle – 3000 glückliche Fans.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 30.01.2011

Braunschweig. Nein, eine Revolution war das nicht. Denn „Revolution heißt Veränderung“, wie Atze Schröder selbst erklärt. Aber wer will schon einen veränderten Atze Schröder? Von den 3000 Fans in der VW-Halle sicher keiner.

Seit gut einem Jahr ist der Ruhrpott-Comedian mit seinem siebten Live-Programm „Revolution“ auf Tour, auch in Braunschweig war er damit bereits im Herbst in der damals ausverkauften VW-Halle zu sehen.
Nun also Nachspiel. Eine Revolution kündigt er an, hebt den Zeigefinger, wettert gegen miese Banker, rücksichtslose Geschäftsgebahren, Verarmung, Arbeitslosigkeit und die schnöde Gier nach Geld. Ganz zart blitzt da ernsthafte Wut durch, die großen Themen scheinen ihm ein Anliegen.
Aber dafür ist ja niemand gekommen, nicht wahr? Die kleinen Dinge des Alltags – da ist Atze zu Hause. Von wegen Revolution. Nee, so wie immer kommt er rüber. Und so wollen ihn auch alle hier erleben. Leicht prollig, mit dicker Lockenpracht, peinlicher Jeans, die im Schritt dauernd zwickt – „Männer, wir brauchen Eiiieeerrrr!“ – mahnt er echte Kerle an und mit dieser ihm eigenen Kunst, banale, zum Teil dusselige Scherze zu einem komödiantischen Gesamterlebnis zusammenzuschmelzen.
Da macht es gar nix, dass er zwischendurch mächtig kalauert und immer wieder tief unter der Gürtellinie landet – es bleibt eh keine Zeit, über Einzelheiten nachzusinnen, der 45-jährige donnert durch seine Nummern wie von Sinnen: Wenig Neues, ein bisschen schwuler Westerwelle: „Die Scheichs binden sich den Kaftan zu, wenn der kommt“, ein bisschen Guttenberg: „Mehr Vornamen als Bundesländer“, ein paar Umbucher von der Aida auf die Gorch Fock, ein paar Reste von der Fußball WM: „Die Vorwahl von Argentinien ist jetzt 0040“, aber sonst bleibt alles beim Alten.
Zum Glück: In seinem „Teilchenbeschleuniger aus Zuffenhausen“ fährt er mit reifen Frauen („Wie Grünkohl: Da muss zweimal der Frost drübergegangen sein.“) vom Öko-Guantanamo (Waldorfkindergarten) zum Swingerclub in Wuppertal („Wie an der Fleischtheke: Viel Bauchspeck und kleine Würstchen.“), vom Braunschweiger Magnifest bis zum – schon legendären – Schlosshotel Bühlerhöhe, eine seiner echten Glanznummern.
Der Mann hängt sich rein, verstolpert sich manchmal im eigenen Lachen – ein sympathischer Typ. Zum Schluss noch fürs Publikum sein Dauerbrenner: „Der den Hebel nicht zieht.“ Viel Applaus.
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