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Macbeth: Aufstieg und Fall

Eva-Maria Lerchenberg-Thönys Produktion eröffnete gestern Abend die 3. Tanztage

Von Ingeborg Obi-Preuß, 07.03.2010

Braunschweig. „Macbeth“ eröffnete gestern Abend die 3. Braunschweiger Tanztage. Auch für die letzte Arbeit der Ballettchefin Eva-Maria Lerchenberg-Thöny gab es viel Jubel vom Publikum. Bis nächsten Freitag steht Braunschweig ganz im Zeichen des Tanzes.

„Macbeth“ – Lerchenberg-Thöny hat die berühmte Tragödie von William Shakespeare (1606) in die Gegenwart geholt, ihren Helden so nah und dicht gezeichnet, dass er den Besuchern sofort ans Herz wächst. Umso schmerzhafter mitzuerleben, wie der idealistische, junge Mann zum getriebenen Mörder wird. Siegertypen spielen sich die Bälle zu, verlachen den Rest der Welt, machen ihr Ding. Und jeder bleibt ein Einzelkämpfer, jeder gegen jeden. Der Stärkste wird bewundert und bejubelt. Bis er eine Schwäche zeigt...
Die Hexen kommen unheimlich über die Stuhlreihen gekrabbelt, sie verkörpern das Mystische-Unbekannte, stehen für den Wahn, dem bestimmte Konstellationen offensichtlich unterliegen.
Macht macht geil. So viel wird deutlich. „Macbeth“ (eindrucksvoll gespielt und getanzt von David Roßteutscher) ist ein idealistischer, netter, junger Politiker, der es zu etwas bringen will. Und der – vor allem – einer Frau (Daniela Indrizzi einfach umwerfend schön und ausdrucksvoll) imponieren will.
Um sich mit Macht an der Macht zu halten, weicht er immer weiter von seinen Idealen ab, wird zum Verräter, zum Tyrannen, zum Mörder – und verliert am Ende alles.
Einer der Höhepunkte des Abends ist die Liebesszene zwischen Macbeth und seiner Lady, poetisch zart die Bewegungen, leidenschaftlich und heftig die Umarmungen, rührend, wie sich die beiden anschauen, umsorgen, beim Anziehen helfen.
Getragen wird die Inszenierung von bewegend schöner Musik. Lerchenberg-Thöny arbeitet auch diesmal mit den Werken ihres Lieblingskomponisten Arvo Pärt, einem estnischen Künstler, der in seinen frühen Arbeiten eher harte, schräge und schrille Klangfolgen komponierte, später weicher und zärtlicher wurde. Diese beiden Pole setzt Lerchenberg-Thöny für „Macbeth“ gekonnt ein. Dazu Walzermusik von Johann Strauß. Eine phantastische Ensembleleistung, für die es ganz viel Jubel vom Publikum gibt.
Heute Abend gastiert ab 19.30 Uhr Norwegen mit „A Dance Tribute to the Art of Football“ im Kleinen Haus. Montag folgt eine Compagnie aus Israel, Dienstag aus Brasilien. Alle Informationen unter www.staatstheater-braunschweig.de.
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