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Liebesleid in der Spät-Pubertät

„Mondscheintarif“ nach Idikó von Kürthys Roman feierte Premiere in Komödie am Altstadtmarkt

Von Henning Thobaben

Braunschweig (ht). Die Kleidung von den Fehlversuchen des Epiliergeräts rot verschmiert, mit den Gedanken beim Mann ihrer Träume. So sitzt Cora Hübsch auf dem Sofa und erzählt die Geschichte von der Liebe ihres Lebens.

So kompliziert das Gefühlswirrwarr der 33-jährigen Protagonistin ist, so einfach ist der Handlungsrahmen von „Mondscheintarif“, das jetzt erstmals in der Komödie am Altstadtmarkt aufgeführt wurde. Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Roman-Debüt und Bestseller von Idikó von Kürthy.
Der Rückblick führt die Zuschauer zu einer Party, auf der Cora Hübsch den gut aussehenden Arzt Dr. Daniel Hofmann versehentlich umrennt. Dem zufälligen Aufeinandertreffen folgt ein zweites mit ebenfalls peinlichen Momenten. Doch dann läuft‘s besser. Ein romantisches Abendessen, die erste gemeinsame Nacht.
Aber Cora lässt den Angehimmelten trotzdem zappeln und verfährt nach der Devise: Nach dem ersten Sex ruft niemals die Frau zuerst an. Sie wartet und wartet – doch das Telefon bleibt stumm. Warum nur? Lag es an ihren wenig hübschen Füßen? Oder an ihrer Frisur? Zum Glück hat Cora noch ihre selbstbewusste Freundin Jo, die immer wieder Aufbauhilfe für das zerbrochene Herz leistet.
Wer „Schokolade zum Frühstück“ oder „Ally Mc Beal“ mag, wird auch „Mondscheintarif“ etwas abgewinnen können. Allerdings braucht der Zuschauer schon eine gewaltige Portion Toleranz, um sich bei den pubertären und bis in die Absurdität getriebenen Verhaltensweisen einer Mittdreißigerin nicht genervt abzuwenden.
Zudem nimmt das Stück nach einem müden Beginn nur langsam Fahrt auf. Was nicht an den Darstellern liegt. Isabella Schmid bringt die Hysterie der Cora Hübsch gut rüber. Mathias Kopetzki nimmt man die schnulzig-charmante Doktorrolle ab. Natascha Paulick weiß in den Nebenrollen zu gefallen, während sie in die Rolle der Freundin Jo durchaus mehr Temperament legen dürfte.
Während der überwiegend flache Humor zuweilen noch von kleinen Niveauspitzen durchzogen ist, wirken jedoch ganze Szenen, wie die wilde Gesangseinlage mit Sonnenbrille im Auto, schlichtweg deplatziert.
Auch die Erzählstimme meldet sich so penetrant zu Wort, dass die Vorzüge dieses Effekts gänzlich in den Hintergrund treten. Beinahe noch störender sind Albernheiten wie das fortwährende Türgeräusch des Autos, das die beiden Hauptdarsteller selbst produzieren.
Fazit: Von Kürthy schreibt als Journalistin auch für Frauenmagazine. Ähnlich eingeschränkt dürfte die Zielgruppe für Romanvorlage und Theaterstück sein. Nach einem simplen und vorhersehbaren Ende gibt es vom Publikum im ausverkauften Saal rhythmischen, aber nicht überschwänglichen Applaus.

Vorstellungen:
9., 16., 22., 23. und 30. August, jeweils um 17 Uhr.
13. bis 15., 18. bis 22. und 25. bis 29. August, jeweils um 20 Uhr.
Informationen und Karten unter 1 21 86 80 oder im Internet unter www.komödie-am-altstadtmarkt.de
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