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Liebeserklärung an das Leben

„Oskar und die Dame in Rosa“ feierte Premiere.

Von André Pause, 23.01.11

Braunschweig. Vor fast ausverkauftem Haus feierte Éric-Emmanuel Schmitts Erfolgserzählung „Oskar und die Dame in Rosa“ Premiere in der Komödie am Altstadtmarkt. Der Freitagabend wurde zur Liebeserklärung an das Leben.

Doris Kunstmann, bekannt durch Filme wie „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ oder „Funny Games“ erzählt das von Petra Dannenhöfer inszenierte Stück aus der Sicht des zehnjährigen, unheilbar an Krebs erkrankten Oskar. Auf der Bühne spricht und verkörpert sie darüber hinaus die Dame in Rosa. Für Oskar ist sie „Oma Rosa“, die einzige, die ihm mit Humor und Witz begegnet. Seinen Eltern fällt der Umgang mit ihm ungleich schwerer, was Oskar ihnen durchaus übel nimmt. Er ist traurig und enttäuscht. „Du sollst an den lieben Gott schreiben, der hat viel mehr drauf als ich“, empfiehlt Oma Rosa dem Jungen. Überhaupt ist sie eine bemerkenswerte, kluge und fantasievolle Frau: wer hätte gedacht, dass sie früher Catcherin war und sich die „Würgerin von Languedoc“ nannte? Mit Oskars Briefen an den lieben Gott und Oma Rosas Liebe entdecken die beiden das Leben mit all seinen ernsten und komischen Seiten neu. Rosas Vorschlag, Oskar möge doch jeden durchlebten Tag so betrachten als wären es zehn Jahre, lässt ihn in zehn Tagen ein ganzes Menschenleben durchwandern. „Dann bin ich ja in zwölf Tagen 120 Jahre alt“, rechnet Oskar fasziniert nach. Humorvoll und hintergründig durchlebt er die Pubertät, die erste Liebe zu Peggy Blue, Eifersucht, die Midlife-Crisis und schließlich das Alter. Das Stück „Oskar und die Dame in Rosa“ hat eine für das Boulevard-Theater beachtliche Fallhöhe. Während der rund zwei Stunden oszilliert die Stimmung zwischen Traurigkeit, Melancholie und Heiterkeit. Kunstmanns dunkle Stimme hat ein Timbre, das als Erzählstimme sehr gut passt. Allerdings ist sie wenig variantenreich, so dass man einige Male – gerade wenn man weiter vom Bühnengeschehen platziert ist – wirklich überlegen muss, wessen Part sie da gerade spricht. Uneingeschränktes Lob verdient hingegen das Bühnenbild von Sylvia Wanke. Ein an und für sich steriles Krankenhauszimmer mit Bett, Tisch und Schrank bekommt durch eine illuminierte Fensterfront im Hintergrund Atmosphäre. Verschiedene Projektionen machen die Kulisse zum Ort von Entdeckungen und bringen immer wieder Farbe ins Spiel. Am Ende gibt es freundlichen und langen Applaus.
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