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Leichtigkeit und Schweben

Das Theater Endlich feierte mit „Elemente: Luft“ eine beeindruckende Premiere im LOT-Theater.

Von André Pause, 08.02.2012

Braunschweig. Mit der Premiere von „Elemente: Luft“ ist das Theater Endlich der Evangelischen Stiftung Neuerkerode im LOT-Theater beim nunmehr dritten Grundelement angelangt. Doch was ist alles Luft, und wie spielt man die?

Ein knappes halbes Jahr haben sich die Regisseure Marie Boudouma und Martin von Hoyningen Huene mit dem Ensemble Gedanken darüber gemacht, haben für das Stück Ideen gesucht, beim Deutschen Wetterdienst und an der TU Braunschweig ausführlich zum Thema recherchiert und: geprobt. Die Entwicklung des Stoffes erledigte das Regieteam mit den körperlich und geistig behinderten Schauspielern gemeinsam, „auf Augenhöhe“, wie von Hoyningen Huene betont. „Wir starten eigentlich immer mit einem Oberbegriff, an dem wir entlang arbeiten. Dann vertiefen wir das, grenzen engmaschiger ein, was wir spielen wollen und suchen anschließend die Geschichten aus“, spezifiziert Holger Denecke, der als Schauspieler seit 15 Jahren im Ensemble dabei ist und damit zu den Gründungsmitgliedern gehört.
Das gut 60-minütige „Elemente: Luft“ verbindet collagenhaft Performance, Tanz- und Sprechtheater, eingeteilt in fünf Kapitel: Luftintro, Schwingung-Ton-Musik, Fluggeräte und Windgeschichten, Wetter sowie Luftgeschichten. Leichtigkeit und Schweben sind gewollt. Die zehn Schauspieler sind weißgewandet. Die Bühne ist mit transparentweißen Stoffbahnen ausstaffiert und Gegenstände hängen windfangartig von der Decke: Glockenspiel, Gong oder Tamburin, die einen Ton zu hinterlassen imstande sind – aber auch Hausschuhe, ein Besen oder eine Perücke. Im Hintergrund begleiten selbst gedrehte Videos das von Körperlichkeit dominierte Geschehen auf der Bühne. Hier geht es mal sanft und sinnlich zu, wie ganz am Anfang, als die Akteure sich gegenseitig anpusten und mit Kopf und Oberkörper wie Bäume wiegen, mal etwas ruppiger, wie beim Luftgitarrensolo, für das der Virtuose Steven Vai Pate stand, und dann wiederum überaus situationskomisch, wenn Holger Denecke als Vampir Luft schnüffelt und sagt: Ich rieche Blutgruppe A“, sein Widergänger-Kumpan bestätigt: „Ich möchte Blut saugen“, und sich dann beide doch blitzschnell vom vermeintlichen Opfer, einer älteren Frau, mit einem banalen „Verschwindet!“ in die Flucht schlagen lassen.
Beeindruckend, wie facettenreich das Element Luft hier präsentiert wird. Entsprechend kräftig ist der Applaus des Publikums, über den sich die Schauspieler sichtlich freuen. Weitere Vorstellungen sind am 10., 11., 24. und 25. Februar jeweils um 20 Uhr sowie am 12. und 14. Februar um 11 Uhr zu sehen. Infos unter www.lot-theater.de.
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