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Leicht statt schwer: Mischer zaubern Märchenhaftes

Folge 1: „1000 Blumen“ des Braunschweiger Künstlers Thomas Bartels.

Von Birgit Leute, 27.06.10

Braunschweig. Thomas Bartels hat sich die Messlatte für den zweiten Lichtparcours gleich richtig hoch gelegt: Mit dem „Schwimmer“ schuf er im Jahr 2000 eine der beliebtesten Brückeninstallationen. Ist so ein Erfolg mit den „1000 Blumen“ überhaupt zu toppen?

Bartels schmunzelt: „Ich will ihn gar nicht toppen.“ Natürlich seien die Erwartungen groß – nicht nur vom Publikum, sondern auch von ihm selbst. „Aber ich habe bewusst etwas anderes geschaffen. Das befreit von dem Druck“, sagt der gebürtige Göttinger.
So ganz stimmt das nicht: Seit der Eröffnung kontrollierte der 50-jährige Künstler gleich mehrmals seine Installation in der Höhe des Botanischen Gartens. Hat hier noch etwas verrückt, dort noch etwas verstellt, immer mit einem Ohr für die Reaktionen des Publikums. „Als Braunschweiger bin ich dicht dran, das verpflichtet irgendwie“, gibt er zu.
Mit einem Anruf hatte das Kulturinstitut Bartels ins Boot des „Lichtparcours“ geholt. „Du musst eine Art Schlusspunkt setzen und irgendwie die Baustelle an der Fallersleber-Tor-Brücke einbeziehen“ war die Ansage. Keine einfache Sache, doch das Stichwort „Baustelle“ brachte Bartels auf eine Idee: „Wie wäre es, wenn man Schweres – also Mischmaschinen, die ja normalerweise mit Sand oder Zement gefühlt sind – mit etwas Leichtem wie Licht kombiniert“, sagt er über den Findungsprozess.
Am Ende schuf der Filmkünstler große Kaleidoskopen: Er füllte drei kiloschwere Mischer mit lichtstarken Scheinwerfern, Spiegeln und hunderten kleiner Glasscherben und Drähte. Sobald es dunkel wird, beginnen sich die Trommeln zu drehen und werfen bunte Facetten in die Bäume an der Oker.
Soweit die technischen Details. Viel faszinierender ist allerdings die Atmosphäre, die „1000 Blumen“ erzeugt. Die Lichtreflexe am Ufer und die Spiegelungen im Wasser schaffen eine geheimnisvolle Bühnenkulisse. Märchen könnten hier aufgeführt werden oder der Sommernachtstraum von Shakespeare. „Vom Wasser aus wirkt es auch wie in einem Urwald“, bringt Bartels noch einen dritten Gedanken ein.
Er gibt auch gleich noch Tipps mit auf dem Weg: „Am besten, man schaut sich ‚1000 Blumen‘ vom Wasser und von Land aus an. Von Nahem leuchten die Farben deutlicher, vom Ufer aus kommen dagegen die Spiegelungen im Wasser voll zur Geltung.“ In jedem Fall sollten die Zuschauer Zeit mitbringen, denn „1000 Blumen“ ist keine „Diskobeleuchtung“ (O-Ton Bartels), sondern sind zarte Lichtreflexe, die manchmal erst auf den zweiten Blick wirken.
Mehr unter www.braunschweig.de/lichtparcours.

Steckbrief: Der Göttinger Thomas Bartels studierte von 1982 bis 1994 Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste. Sein Schwerpunkt: Arbeiten mit kinetischen Skulpturen, die Licht, Bilder oder Filme projizieren. Seit 2007 lehrt er an der HBK „Experimentelle Animation“. „Meine Arbeit wechselt zwischen Film und Licht-Bildhauerei/-Installation. Beide Male geht es mir darum, mit Licht Unerwartetes zu zaubern.“
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