Anzeige

Lass uns über die Leichen im Keller reden

Am Ende haben sich Anke (Astrid Straßburger), Katja (Nicole Belster-Boettcher) und Doris (Franziska Traub, v.l.) lieber als je zuvor.

Komödie am Altstadtmarkt: Die Premiere von „Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt“ überzeugt in den ernsten Momenten.

Von André Pause, 15.07.2016.

Braunschweig. Da muss Frau ja flüchten! Die Braunschweiger Bühnenadaption des Dora-Heldt-Romans „Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt“ in der Komödie am Altstadtmarkt beginnt mit einer bestürzend konventionellen Einladung zum 50. Geburtstag der Hauptfigur Doris Goldstein-Wagner.

Der etwas ungelenken Invitation zur geheimen Party durch ihren Gatten Torsten folgt für die angehende Jubilarin auch noch ein Telefonat mit der kapriziösen Frau Mutter. Kein Wunder also, dass Doris die fünfte Null zum Anlass nimmt, es sich mit den Schulfreundinnen Katja Severin und Anke Kerner fernab des Alltagstrotts einmal richtig gutgehen zu lassen.

Während des Aufenthaltes im Wellnesshotel an der Ostsee kristallisiert sich jedoch nach und nach heraus, dass die drei Freundinnen im Laufe der Jahre allesamt auf Fassade gesetzt haben. Zwischen Friseurbesuch und Fußpflege beginnt diese nun, gehörig zu bröckeln. Es ist in der Folge dann auch weniger die humorige Schiene – reichlich kalenderspruchartige Formeln und Sprüche sowie flache Witzchen –, auf der das Stück vorankommt. Weitaus interessanter sind die ernsthaften Gedanken und Momente zum Themenkomplex Leben-Liebe-Wechseljahre.

Wenn Katja (natürlich und mit viel Emphase gespielt von Nicole Belster-Boettcher) zusammen mit Anke (von Astrid Straßburger als verhärmtes Sensibelchen gegeben), auf der Bettkante sitzt, hat das beinahe etwas von einer Therapiestunde. Und auch die temperamentvolle Doris (mit kleinen Hängern: Franziska Traub) gewährt in ihrer tränenerstickten Wut über die „Überraschungskacke“ zum Geburtstag tiefere Einblicke ins Seelenleben, als die „Stößchen“ rufende Partynudel.

Wie die drei Frauen im Gespräch über ihre jeweiligen und gemeinsamen Leichen im Keller neu zusammenfinden, ist sicherlich etwas klischeehaft und vorhersehbar. Das Plädoyer für Verständnis und Verständigung in Freundschaft wird nichtsdestotrotz mehr als deutlich. Dafür findet Regisseur Oliver Geilhardt genau den richtigen Ton. Das Publikum ist angetan, der Applaus freundlich. Infos: www.komoedie-am-altstadtmarkt.de
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.