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Kunstvolles in schwarzer Farbe

Workshop zur Technik der Kaltnadelradierung begeistert die Künstler des Lebenshilfe-Ateliers.

Von André Pause, 31.07.2013

Braunschweig. Die Künstler des Ateliers Geyso 20 der Lebenshilfe Braunschweig stehen um die Druckpresse. Gespannt schauen sie auf Murat Akay, der gleichmäßig und sachte das Schwungrad der Maschine bedient.

Der Walzendruck bringt sein Motiv von der geschwärzten, einen Millimeter starken Zinkplatte in gespiegelter Form auf weißes Büttenpapier. „Vogel“ heißt das Werk, welches Akay, nachdem er zuvor etwas schüchtern unter die Trockenpappe gelugt und sich selbst vom guten Ergebnis überzeugt hat, nun allen präsentiert.
Der Workshop unter der Leitung des bildenden Künstlers Thomas Grigoleit ist eine Premiere für die Künstler mit geistiger oder seelischer Behinderung. „Als Technik haben wir die Kaltnadelradierung hier zum ersten Mal im Programm“, erzählt Kunstwissenschaftlerin Dr. Gerhild Kaselow, die die Künstler im Atelier Geyso 20 betreut.
Der erste Eindruck täuscht nicht: Alle Workshop-Teilnehmer sind mit vollem Einsatz bei der Sache. „Über den Enthusiasmus unserer Künstler würde sich manch ein Professor bei seinen Studenten freuen“, schmunzelt Kaselow, und Grigoleit ergänzt lächelnd: „Die nehmen uns das Werkzeug sofort aus der Hand.“
Auch die Erläuterung des Kaltnadelradierens als Prozess übernehmen die Künstler gerne selbst. Insbesondere Thorsten Ruperti lässt sich die Butter diesbezüglich nur ungern vom Brot nehmen. „Das Motiv wird mit einer Stahlnadel geritzt, die Platte anschließend schwarz gefärbt und mit einem Gazetuch abgerieben“, beschreibt der hochgewachsene Mann, während er seine Platte auf der Presse akribisch positioniert. Einen Songtext seiner Lieblingsband Rammstein hat der Künstler in Spiegelschrift manifestiert, darunter ist ein historisches Telefon zu sehen – quasi sein Wiedererkennungsmerkmal, die frühen Kommunikationsapparate haben es ihm angetan. Er sammele die Schmuckstücke auch zu Hause, berichtet Ruperti, der Sekunden später wortreich den Druckvorgang begleitet. Die Quintessenz: „Das Wichtigste ist, dass man immer gleichmäßig dreht.“
Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Während er seinen bedruckten Papierbogen stolz mit einer wasserentziehenden Pappe bedeckt, stehen seine Mitstreiter Winfried Kostka, Susanne Lauer, Volker Darnedde und Thilo Kogel schon in den Startlöchern. Darnedde hat das Spanferkelgrillen vom Vortag eingefangen hat – das Schwein am Spieß und die lodernden Flammen in der Feuerwanne sind klar zu erkennen –, und Lauer steht gleich mit mehreren Arbeiten an der Presse. Neben den ausgegebenen Zinkplatten hat die Vielarbeiterin auch einige CD-Rohlinge verziert.
Ein ebenso ’schneller Brüter’ ist Thilo Kogel. Das Lieblingsmotiv des 27-Jährigen sind Katzen mit menschlichen Zügen. Länger als eine Stunde und 45 Minuten benötige er für keine seiner Arbeiten, meint er. „Die Arbeitsgeschwindigkeit ist sehr unterschiedlich. Einige sind sehr schnell, andere wiederum benötigen anderthalb Tage, bis sie wirklich zufrieden sind, oft werden die Platten nach einem Druck von der Idee her jedoch auch weitergeführt und dementsprechend bearbeitet“, skizziert Thomas Grigoleit, der die Werkzeuge für den Workshop mitgebracht hat: Griffel in unterschiedlichsten Ausführungen. Das Ergebnis sind zahlreiche Kunstwerke in schwarzer Farbe.
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