Anzeige

Kunst will Würde zurückgeben

Kunst von Winfried Baumann. Foto: oh

Ausstellung in St. Andreas zeigt Fotos, Skulpturen und Installationen zum Thema Armut.

Von Birgit Leute, 08.07.2015.

Braunschweig. Ist es witzig oder zynisch? Das Kunstwerk „Instant Housing“ von Winfried Baumann lässt sich nicht so leicht einordnen. Es ist eines der eindrucksvollen Objekte der Ausstellung „Kunst trotz(t) Armut“, die noch bis zum 16. August in der St.-Andreas-Kirche zu sehen sind.

35 Künstler, darunter so bekannte Namen wie Joseph Beuys und Sigmar Polke, zeigen in der Wanderausstellung der Evangelischen Obdachlosenhilfe ihre Sicht auf Armut und ein Leben auf der Straße. Das klingt nach schwerer Kost, doch den Besucher erwarten ganz im Gegenteil: viel Witz und eine überraschende Ästhetik. „Mit dem Humor wollten wir dem Thema die Schwere nehmen“, sagt Kurator Andreas Pitz zum Hintergrund.

„Instant Housing“ ist so ein Beispiel: Winfried Baumann präsentiert einen praktischen rollenden Wohncontainer für das Leben auf der Straße. Aufgeklappt passen dort perfekt ein Schlafsack und ein Mensch hinein. Der Metallcontainer kann überall mit hin genommen werden, ist platzsparend und handlich.

Macht sich da einer über die Not lustig? Nein, sagt der Kurator, eher werde „extrem zynisch“ das moderne Leben auf die Schippe genommen, denn das rollende Mobil gebe es auch in der Yuppie-Ausführung für die hippen Großstadtnomaden.

Eine ganz andere Kunst zeigt Karin Powser. Die Hannoveranerin war selbst mehr als zehn Jahre lang wohnungslos und hat sich inzwischen als Fotografin einen Namen gemacht.
Ihre Schwarz-Weiß-Bilder von Straßenszenen machen betroffen. Gleichzeitig zeigt sie beeindruckende Porträts von Menschen, die in der Regel nicht beachtet werden. „Wer schaut schon einem Wohnungslosen ins Gesicht, wenn er ihm eine Münze in den Hut wirft?“, sagt Andreas Pitz.
Er und Pfarrer Peter Kapp von St. Andreas sind überzeugt: Die Kunstwerke geben den Obdachlosen ihre Würde zurück.

„Nach einem Shooting mit mehreren Wohnungslosen wirkten diese drei Köpfe größer“, bestätigt Klaus Kohn, Braunschweiger Fotograf.
Seit 2010 ist „Kunst trotz(t) Armut“ schon auf Wanderschaft. Die Bilder wurden unter anderem in der Documenta-Halle in Kassel und im Kulturhauptstadtjahr im Ruhrgebiet ausgestellt.

Für Michael Bahn von der Diakonischen Gesellschaft Wohnen und Beraten drängt das Thema. „In Braunschweig gibt es derzeit 400 Wohnungslose – und das sind nur die gemeldeten, also nur die Spitze des Eisbergs, der durch die Wohnungsnot weiter wächst.“ Weitere Informationen unter www.kunst-trotzt-armut.de.

Service

Öffnungszeiten:

Die Ausstellung ist Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr in der St.-Andreas-Kirche zu sehen.

Rahmenprogramm:

• Die Gaußschule veranstaltet in der VHS Alte Waage eine Begleitausstellung.
• 12. Juli, 18 Uhr: „Draußen“ – Lesung mit Moritz Dürr und Christophe Vette (Staatstheater) in der St.-Andreas-Kirche
• 14. Juli, 19 Uhr: Podiumsdiskussion u. a. mit der Sozialdezernentin der Stadt Braunschweig und Jürgen Schneider vom Armutsnetzwerk in der St.-Andreas-Kirche
• 18./19. Juli, 18 Uhr: „Marie/Woyzeck“, Projekt des Staatstheaters.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.