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Kunst gegen die Strömungen

Rudolph Jahns abstrakte Kunst galt als „entartet“. Fotos: Leute

Jakob-Kemenate zeigt mit Rudolph Jahns und Magnus Kleine-Tebbe ganz verschiedene Stile.

Von Birgit Leute, 06.04.2016.

Braunschweig. Zwei Künstler, zwei Stile, zwei Außenseiter: Von Freitag (8. April) an bis zum
5. Mai zeigt die Jakob-Kemenate Werke von Rudolph Jahns (1896-1983) und Magnus Kleine-Tebbe (geboren 1966).

Obwohl vom Stil her völlig unterschiedlich, verbindet sie doch eine Tendenz: sich gegen Zeitströmungen zu stellen.

„Entartete Kunst“

Im Falle von Rudolph Jahns hatte das ernste Konsequenzen: Der gebürtige Wolfenbütteler entdeckte 1919 die Kunst für sich und schuf bis zu seinem Tod rund 1000 vorwiegend abstrakte Werke.
Mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten erhielt seine Karriere allerdings einen empfindlichen Schlag: Jahns Kunst galt als „entartet“, er selbst wurde mit einem Berufsverbot belegt, seine Werke aus den Museen entfernt – für den sensiblen, feinsinnigen und eher stillen Künstler eine persönliche Katastrophe: Jahns zog sich völlig zurück, suchte viele Jahre ärztliche Hilfe bei dem Internisten Dr. Jacob Köbberling, dessen Tochter jetzt auch einen großen Teil der Werke der Jakob-Kemenate zur Verfügung gestellt hat.

„Die Ausstellung will die ganze Bandbreite von Jahns Techniken zeigen – von den Ölgemälden bis zur Kaltnadelradierung“, sagt Jochen Prüsse von der Stiftung Prüsse/Jakob-Kemenate über die Werkschau in der ersten Etage.

„So genau wie möglich“

Einen starken Kontrast zu den grafischen, fein gezeichneten Werken Jahns: Die Kunst von Magnus Kleine-Tebbe. Gleich fünf lebensgroße Plastiken des Braunschweiger Bildhauers bevölkern das Erdgeschoss, dazu viele kleinere Figuren, Porträts und Fotos seiner Kunst, die im Original im öffentlichen Raum zu finden sind wie die „Laodizea“ vor dem Haus der Wissenschaft oder „Solus Christus“ in Bienrode.
Seit 25 Jahren arbeitet Kleine-Tebbe als Bildhauer – streng figürlich und oft mit christlichen Motiven. Im Kunstbetrieb gilt er deshalb als Randerscheinung. „Ich habe immer schon gegen die Strömungen gearbeitet“, sagt der Künstler. Sein Anspruch: So genau wie möglich die Wirklichkeit abzubilden. „Schon als Student wollte ich mir selbst beweisen, wie exakt ich arbeiten kann“, sagt Kleine-Tebbe. In ihrer makellosen Schönheit erinnern seine Figuren oft an Michelangelo, und auch sein „Mister Niedersachsen“, lässig mit nacktem Oberkörper und Jeans, wirkt eher wie eine antike Statue und nicht wie ein moderner Partygänger.

Info

„Rudolph Jahns: Der Poet unter den Abstrakten“ und „Magnus Kleine Tebbe: 25 Jahre Bildhauerei – Eine Zwischenbilanz“ vom 8. April bis zum 5. Mai in der Jakob-Kemenate.

Öffnungszeiten: täglich 11 bis 18 Uhr, Eintritt frei.

Programm (u.a.): 9. April, 18 Uhr, „Herr der Lage. Rudolph Jahns und Ernst Sander in ihren Briefen“ Lesung mit Musik. Infos: www.kemenaten-braunschweig.de .
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