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Konventionell kann so schön sein

Umjubelte Premiere des Andrew Lloyd Webber-Musicals „Sunset Boulevard“ im Großen Haus.

Von André Pause, 05.12.2012.

Braunschweig. Eher stiefmütterlich ist das Genre Musical in den vergangenen Jahren seitens des Staatstheaters behandelt worden. Für diese Spielzeit ist die Lücke in Sachen populäres Musiktheater geschlossen: Andrew Lloyd Webbers „Sunset Boulevard“ feierte Premiere im fast ausverkauften Großen Haus.

Die Begeisterung des Publikums ließ erahnen, wie sehr mancher Theaterbesucher nach dieser vermeintlich eher leichteren Muse gelechzt haben muss. Die Zuschauer applaudierten kräftig, langanhaltend und stehend, Bravorufe inklusive. Der Abend bietet das, was er soll: gelungene Unterhaltung. Da spielt es dann auch keine Rolle mehr, dass die aufwendige Aufführung insgesamt nicht allzu viel wagt, Hardy Rudolz’ Regiezugriff beinahe bestürzend konventionell ist.
Webbers Sunset Boulevard erzählt basierend auf Billy Wilders gleichnamigem Filmklassiker (deutscher Titel: Boulevard der Dämmerung) die Geschichte der Stummfilmikone Norma Desmond, die nicht wahrhaben möchte, dass ihr Ruhm längst verblasst ist. Weitestgehend vereinsamt hat sie es sich in einer luxuriösen Scheinwelt eingerichtet, da tritt unerwartet der junge wie erfolglose Drehbuchautor Joe Gillis in ihr Leben. Die ad acta gelegte Schauspielerin verliebt sich in ihn und glaubt fortan wieder an die ganz große Rückkehr ins Bizz. Doch Joe, der sich bei gemeinsamen Arbeiten in die junge Betty Schaefer verliebt, entscheidet sich schließlich Norma zu verlassen. Woraufhin die Diva ihren jungen Liebhaber aus Eifersucht und gekränkter Eitelkeit erschießt.
Der tot im Wasser treibende Joe bildet die dramaturgische Klammer der Vorstellung. Gezeigt wird sie filmisch. Auch andere Übergänge werden via Transparentleinwand vermittelt, teilweise mit Sequenzen aus Wilders Werk, die sich gut mit dem Spiel auf der mehrseitig, opulent bebauten Drehbühne vertragen. Diese teilt sich auf in die pompöse Norma-Villa samt repräsentativem Treppenverlauf sowie eine schlichtere Kulisse, die wahlweise eine Villa-Außenansicht oder Gemeinplätze der Filmschaffenden beherbergt.
Gut herausgearbeitet ist der Kontrast zwischen dem bunten Treiben der Filmschaffenden und der bisweilen schwermutschwangeren Stimmung in der Villa auch durch die Kostümierung sowie die situative Instrumentierung, die jede Gefühlsregung akkurat mitgeht. Cornelia Drese verkörpert die egozentrisch-fragile Norma Desmond in jeder Phase glaubhaft und hat das Publikum schon nach wenigen Tönen hinter sich.
Und das unter erschwerten Bedingungen: Als das kleine Mikrofon am Kopf gleich zu Beginn streikt, wird ihr ein Handmikro gereicht. Dass sie es nicht einschalten kann, ist eigentlich ein Bild mit Symbolcharakter: Die Stummfilmikone Norma Desmond kapituliert vor der Technik, dem Fortschritt. Was mit ein wenig Fantasie als inszenatorischer Kniff durchgehen könnte, entpuppt sich dann allerdings doch als ganz profaner Tonausfall.
Malte Roesner als Joe Gillis überzeugt ebenfalls, vor allem nach der Pause wirkt sein Bariton zupackend und variabel. Simone Lichtenstein singt einen starken Sopran. Ihre Rolle der Betty Schaefer, ist für einen modernen Gegenentwurf zur Norma allerdings reichlich naiv dargestellt.
Weitere Aufführungen gibt es am 9.,16., 23., 28. und 31. Dezember, am 10. Januar sowie am 6. und 10. Februar.
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