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„Konsensplatte ist für mich kein Schimpfwort“

Die Kölner Band Erdmöbel spielte im Kleinen Haus des Staatstheaters.

Von André Pause, 17.10.2010.


Braunschweig. Über den Köpfen der Erdmöbel-Musiker auf der Bühne im Kleinen Haus erstrahlt eine überdimensionale Fotokamera. Ein mechanisches Modell. Hier greift ein Rad ins andere – wie auch bei der kleinen großen Band aus Köln.

Wolfgang Proppe (Keyboards), Christian Wübben (Schlagzeug), Ekimas (Bass), Markus Berges sowie Live-Posaunist Henning Beckmann sorgen für eine Konzertatmosphäre, die das Publikum von der ersten Minute an in ihren Bann zieht. Vom Intro des Openers „Arbeiten“ bis zu „Leben ist trivial“, dem letzten Stück des Abends, stehen die fünf Musiker knapp zwei Stunden auf der Bühne. Sie spielen Klassiker wie „Dawei, Dawei“, „Das Beste von Osten“ oder „Dreierbahn“, vor allem aber alle Stücke des neuen vielbeachteten Albums „Krokus“.
Konsensplatte?
Mittlerweile gibt es Kritiker, die meinen, hier eine neue Konsensplatte ausgemacht zu haben. „Als ich das gelesen habe, dachte ich mir erstmal: Ist ja interessant – interessanter Quatsch. Ich habe mich aber nicht geärgert, sondern eher gefreut. Vor allem vor dem Hintergrund, dass wir dieses Mal eine so auch uns selber umwerfende Presse bekommen haben“, sagt Sänger und Texter Markus Berges. „Es ist eigentlich immer unsere Vision gewesen, etwas für alle zu machen. Insofern ist Konsensplatte für mich auch kein Schimpfwort.“
Form und Funktion
Die Musik von Erdmöbel ist facettenreich, die Palette reicht von leicht beschwingt bis melancholisch. Berges Texte sind sehr lyrisch. Oft klingt es, als diene ein Wort dem nächsten, als sei das eine Wort für das andere gewählt. Eine Umkehrung des Gestaltungslehrsatzes „Form follows function“ (Form folgt Funktion)? „Das würde ich jetzt eigentlich nicht sagen, denn ich finde, dass die Erdmöbel-Sachen durchaus etwas sehr Reduziertes haben. Wir versuchen, die Sachen knapp, schlicht und unkitschig zu halten. Die Umkehrung stelle ich mir eher vor, wie ein Brettsofa mit Swarowski-Steinen“, schmunzelt der Sänger.
Schlichte Schönheit
Bei aller Schlichtheit schafften es Erdmöbel immer wieder, die Zuschauer in ihre Lieder miteinzubeziehen, verteilten zum Beispiel Streichholzschachteln als Percussion-Instrumente in die Sitzreihen. Und auch zwischen den Stücken sorgten die Frontmänner Ekimas und Berges für Unterhaltung. Die Konversation untereinander und mit dem Publikum war streckenweise zum Brüllen komisch. „Es ist schön im Theater zu spielen, wenn man es hinbekommt, dass es nicht zu gediegen wird“, meint Berges. „Schön ist, dass man einen Fokus hat, und für diese musikalischen Texte eine bestimmte Art von Aufmerksamkeit bekommt, die zwar im Rock-Kontext auch herstellbar, aber nicht so selbstverständlich ist.“ Am Freitag war der Band die Aufmerksamkeit des Publikums gewiss und mündete schließlich in kräftigem Applaus.
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