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Komplexe Text-Bild-Korrelation

„Roses from Africa“ von Sven Johne. Fotos (2): Pause
 
„Ship Correlation“: Text und Bild als Bruch und Vereinigung.

Arbeiten des Fotografen Sven Johne bis zum 1. Dezember in den 267 Quartieren zu sehen.

Von André Pause, 20.10.2013.

Braunschweig. Ein gerüttelt Maß an Kommunikation gilt gemeinhin als hilfreich, wenn es darum geht, Krisen zu meistern. „Lass uns reden“, heißt es dann oft. Und manchmal hilft das ja tatsächlich.

Die Ausstellung „Wege aus der Krise“ des Museums für Photographie am Standort 267 Quartiere für zeitgenössische Kunst und Fotografie präsentiert den bislang umfangreichsten Einblick in das fotografische Werk Sven Johnes. Der augenblicklich vielgefragte Künstler fügt den Motiven seiner Bilder bevorzugt eine Textebene hinzu und lässt so die Aussagen korrelieren. Ein konzeptuelles Spiel gegenläufiger, nichtsdestotrotz gleichzeitiger Orts- und Zeitbezüge.
Ein Teil der Arbeiten dieser werkschauartigen Präsentation beschäftigt sich mit der Suche nach persönlicher Erfüllung und gutem Leben, dem Einfluss und den tiefgreifenden Auswirkungen geschichtlicher Ereignisse auf individuelle Biografien und dem kläglichen Scheitern gesellschaftlicher Modelle und privater Lebensutopien. „Wie ist es den Menschen nach der Wiedervereinigung ergangen?“, könnte die Kernfrage lauten, die Johne (1976 auf Rügen/DDR geboren) hier zu umtreiben scheint.
So zeigt die Serie „Ostdeutsche Landschaften“ auf den ersten Blick karge Landschaft, Agrarflächen. In die horizontale Öffnung des Raumes jedoch stellt Johne persönliche Geschichten vom Wende-Scheitern. Diese Textblöcke, Wortlaut-Zeugen von Realitätsferne, könnten von weitem betrachtet auch Lagerhallen sein.
Weg von der reinen Bildlichkeit geht es auch in den grünstichigen Infrarotaufnahmen von „Wanderung durch die Lausitz“. Die Nachricht von der Wiederansiedlung der Wölfe im südlichen Brandenburg nutzt der Künstler zur Fokusverschiebung: Nicht die Rudeltiere, sondern die öden Verhältnisse als Konsequenz des Wandels werden als eigentliche Bedrohung dargestellt.
Johnes Arbeiten changieren zwischen Fakt und subjektivem Erlebnis, kreisen um die Frage nach Authentizität. Beweise liefert der Künstler jedoch nicht – wozu auch.
Dass die raue See in „Seafaring Discoveries Of Our Time“, wie behauptet, Opfer gebracht hat, ist so wahrscheinlich, dass es gar keine Rolle mehr spielt, ob die tragischen Ereignisse nun ausgerechnet an den fotografisch festgehaltenen Stellen geschehen sind oder nicht. Und auch die tiefdunkle sternenklare Sommernacht des „Griechenland-Zyklus“ verlöre mit einem mehr an Gewissheit womöglich an Strahlkraft. So aber gibt es einen Bruch, der von beiden Ebenen ausgeht: Die politischen Sachverhalte im Griechenland während der Euroschuldenkrise werden durch das Ausblenden der Wahrheit am unteren Bildrand atmosphärisch und ästhetisch konterkariert. Zugleich werden die sinnlichen Bildflächen durch integrierte Textbänder dekonstruiert.
Zur Ausstellung, die bis zum 1. Dezember zu sehen ist, ist das neu produzierte Künstlerbuch „Where the sky is darkest, the stars are brightest“ von Sven Johne erhältlich. Geöffnet sind die 267 Quartiere dienstags bis freitags, 14 bis 19 Uhr, sowie Sonnabend und sonntags, 11 bis 18 Uhr. Führungen werden sonntags um 14 Uhr angeboten. Ein Vortrag von Dr. Alexandra Nakas (Universität der Künste Berlin), „From Fact to Fiction“, findet am 6. November um 18 Uhr statt.
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