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Klares Ziel – schwieriger Weg

Aufrüttelnde Worte: Norbert Lammert forderte die Christen zur Einheit auf. Foto: T.A.

Festvortrag von Bundestagspräsident Norbert Lammert zur Ökumene – Fragen blieben offen.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 26.01.2014.

Braunschweig. Die Kirche als Haupthindernis für den Glauben – Bundestagspräsident Norbert Lammert zitierte eine These von Josef Ratzinger. Der „Abend der Begegnung“ im Dom war auch ein Abend der Kritik.

Als „protestantisch veranlagter Katholik“ sei er über die Spaltungsbegründungen immer wieder verärgert und empört. Zwar gebe es durchaus Trennendes, aber das Erstrangige werde mit dem Zweit- und Drittrangigen verwechselt. Und das Erstrangige sei die Einheit der Christen.
„Ökumene jetzt“ hieß sein Festvortrag beim Jahresempfang der Landeskirche. Vor rund 500 Besuchern im Dom, und in deutlichen Worten vertrat Lammert seine Position: Ökumene jetzt – wann sonst. „Können wir nicht, oder wollen wir nicht?“, fragt er und mahnte jeden, angesichts anstehender Jubiläen – 50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil, 500 Jahre Reformation – für sich eine Antwort zu finden.

Angesichts der Jubiläen werde es „ganze Regalmeter“ neuer Literatur zur Reformation, zu Martin Luther, über Spaltung und Einfluss geben, „grandiose Ausstellungen, brillante Vorträge, umwerfende Konferenzen und Kongresse sowie bewegende Gottesdienste.“ Aber: „Danach bleibt alles so, wie es vorher war.“ Er warf den christlichen Kirchen vor, ihre „unveränderte Begabung zur Auseinandersetzung als Grundlage zur Gruppenbildung zu machen. Gründe für die organisatorische Trennung seien wichtiger als die Gemeinschaft im Glauben. „Darauf muss man erst mal kommen“, fügte er an.
Machtstreben, kleinliches Theater um Ämter und Einfluss prangerte Lammert an, ökumenische Arbeit sei häufig nur ein bequemes Ritual, weil alle wüssten, dass sich doch nichts ändern würde.

„Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe“, zitierte Lammert den berühmten Satz zur Einheit der Christen, den Paulus an die Epheser schrieb. „Das heißt, wir alle sind Geschwister“, rief Lammert zur Einheit auf. Die Frage sei, „ob die Unterschiede, die es zweifellos gibt, die Aufrechterhaltung der Trennung rechtfertigen? Die Antwort ist: nein.“
Der Applaus im Dom war kräftig, Landesbischof Friedrich Weber dankte für die „deutlichen Worte.“

Beim Empfang im Landesmuseum gab es differenzierte Meinungen. Während Laien begeistert von Norbert Lammerts Worten waren, sprachen Kirchenprofis davon, dass die Einzelheiten schon wichtig sind.
„Wir müssen zusammenrücken“, sagte Pröpstin Uta Hirschler, „das ist völlig richtig. Aber was heißt das genau? Dass die evangelische Kirche den übernimmt? Oder dass die katholische Kirche die weibliche Ordination akzeptiert“ Diese schwierigen Fragen habe Norbert Lammert ausgespart.
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1 Kommentar
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Joachim HAHN aus Adenbüttel | 29.01.2014 | 07:19  
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