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Kiwis, Kraken und andere Kunstwerke

Von Waggum auf die andere Seite der Welt: Die 31. Jugendbuchwoche machte Lust aufs Lesen.

Von Marion Korth, 16.11.11

Braunschweig. Thailand, Bolivien, Argentinien, Norwegen, USA. Tobias Krejtschi kennt sich damit aus, „Grenzen zu überwinden“, und darum geht es bei dieser 31. Braunschweiger Jugendbuchwoche.

„Ich bin super viel auf Reisen. Das Geld, das ich verdiene, gebe ich eigentlich gleich wieder aus“, sagt Tobias Krejtschi nach seiner Lesung in der Waggumer Ortsbücherei. Er liebt den „Input“, die Geschichten, die praktisch auf der Straße liegen, die Sinneseindrücke. Jedes Land habe seine eigenen Farben, sattes Grün oder Erdtöne. Oder die bunten Kleider der Bolivianerinnen mit ihren schwarzen Hüten auf dem Kopf und kantigen Gesichtern „wie geschnitzt“.
Wenn der studierte Grafikdesigner von seinen Reisen zurückkehrt, hat er den Kopf voller Ideen und manchmal gar kompletter Geschichten. „Wie der Kiwi seine Flügel verlor“, ist dafür ein Beispiel. Acht Monate verbrachte der Wahlhamburger in Neuseeland. „Die Menschen dort bezeichnen sich selbst als Kiwis“, sagt Krejtschi. Warum der kleine eher unscheinbare Vogel eine Art Nationalheld ist, das erzählt er mit Worten und Bildern in seinem Buch. Eine alte Sage der Maori gab die Geschichte vor. Auch die Ferien in diesem Sommer in Norwegen werden ein Nachspiel in Form eines Bilderbuches haben. Zwei Trolle spielen darin tragende Rollen. „Ja, ich habe derzeit gut zu tun“, sagt Krejtschi. An den Bilderbüchern hängt sein Herz. „Da bin ich nämlich Regisseur, Kameramann und Maskenbildner in einer Person“, sagt Krejtschi, der als Kind eigentlich hatte Tierfilmer werden wollen. Schon in der Schulzeit reichte sein Talent über Kritzeleien im Schulheft hinaus: „Ich gewann einen Karikaturenwettbewerb, das gibt Rückenwind.“ Auch die Eltern hätten ihn stets unterstützt. Dabei sei die Bilderbuchillustriererei eher eine brotlose Kunst. 2500 Euro für zweieinhalb Monate konzeptionelle und zeichnerische Arbeit. „Da kann ich nicht von leben“, sagt Krejtschi. Zeichnungen für Magazine oder Lesungen wie die in Waggum bessern die Kasse auf – schließlich will die nächste Reise finanziert sein.
Seine Lesung war auch eine „Malung“, denn der Buchillustrator zeichnete, was die Kinder sich wünschten – in diesem Fall eine Krake, die nach einem Zusammenstoß mit einem Wal ziemlich lädiert aussieht. „Du kannst ja wirklich gut zeichnen“, sagt ein Mädchen anerkennend. Stimmungswandel bei den jungen Zuschauern und -hörern. Krejtschis Bild vom „Wächter des Waldes“, den er ganz zu Anfang gezeigt hatte, wurde noch mit einem nüchternen „Na ja, geht so“, kommentiert. Mit Comics à la Prinzessin Lillifee haben diese Bilder nichts gemein, sie sind echte Kunstwerke, brechen mit Sehgewohnheiten. Krejtschi fühlt fast so etwas wie Verantwortung. „Es gibt so viel Schrott“, sagt er. Richtig gute Illustrationen, damit meint er nicht nur die eigenen, würden dagegen die Weichen Stellen für eine ästhetische Bildung.
Wer neugierig geworden ist: In der Stadtbibliothek am Schlossplatz ist noch bis Freitag (18. November) fast so etwas wie eine Werkschau von Tobias Krejtschi, auch mit Bildern aus dem „Kiwi-Buch“ , zu sehen. Zudem finden am Donnerstag und Freitag noch insgesamt vier öffentliche Lesungen statt (www.braunschweiger-jugendbuchwoche.de).
Die Zahl der schulinternen Veranstaltungen ist mit mehr als 200 ungleich größer. „Die Nachfrage der Schulen ist gleichbleibend sehr hoch“, sagt Kurt Volland, stellvertretender Vorsitzender des ehrenamtlich tätigen Vereins. Zahlreiche Sponsoren unterstützen die Jugendbuchwoche, damit die Schulen fast umsonst zum Autorenbesuch kommen. „Es lesen nur 20 bis 25 Prozent der Erwachsenen. Warum sollten es also die Kinder tun?“, fragt Volland. Lesefreude wecken, das sei ein Ziel der Jugendbuchwoche. „Wir müssen die Kinder im Grundschulalter gewinnen, deshalb machen wir das.“
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