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Kirschwasser am Resopalsockel

Doppelausstellung im Kunstverein Braunschweig: Cheyney Thompson und Walter Zurborg.

Von André Pause, 27.12.12

Braunschweig. Was tun, wenn die Kunstwerke bei Ausstellungseröffnung zu Bartischen werden? Einfach zwischendurch mal feucht drüber! Die Sockelskulpturen des New Yorker Künstlers Cheyney Thompson, die bis zum 10. Februar im Kunstverein am Lessingplatz zu sehen sind, bestehen aus Resopal.

Der Schichtstoff ist praktisch unverwüstlich, da machen ein paar kreisrunde Glasrückstände mal gar nichts. Genau genommen ist die Zusichnahme diverser Alkoholika sogar erwünscht, heißt die 17 Objekte umfassende Werkreihe doch „The Completed Reference: Pedestal And D r u n k e n Walks“. Hier und da ein Schnäpsken und dann weiter im Text.
Alle ausgestellten Körper weisen ein Gesamtflächenmaß von 3200 Quadratzoll auf, sind in ihrer Form jedoch völlig unterschiedlich: mal erstrecken sie sich schlangenförmig durch den ganzen Saal, dann wiederum stehen sie massig da, wie kleine kantige Litfaßsäulen. Verschiedenste Parameter haben Thompson zu den jetzt präsentierten Objekten geführt, nur diese 17 Formen erfüllten die selbstauferlegten Regeln.
Auf den Oberflächen der Exponate ist eine Art Reader zu sehen, bestehend aus künstlerischen Analysen und den dazugehörigen Quellen. Allerdings sind die dispersen Inhalte schwer zu packen und noch schwerer in Einklang zu bringen. Die Funktion folgt der Form – sehr, vielleicht zu sehr. Farbarten und Farbtonwerte, Frauenbeine und Pommes frites zieren eine Stele. Auf der Nächsten sind geschlitzte Gliedmaßen zu sehen, wie sie bei einigen Aborigines-Stämmen in Australien Ritual sind. Keine schlechte Idee: Als kleine Verdauungshilfe ist Kirschwasser drapiert. Heimeliger geht es im Nachbarraum zu, wo Besucher einen flachen Sockel zum Round-Table umfunktionieren. Die Oberfläche ist Papua Neuguinea? Egal, Glas drauf!
Wer noch aufnahmefähig ist und gehen kann, schaut im Anschluss in die Remise. Hier zeigt Walter Zurborg mit „Value Pattern“ eine raumgreifende Installation. Wenige Körner eines insgesamt 100 Kilo umfassenden Maisvorrats gelangen per Zufallssteuerung durch zwei Trichter auf einen motorbetriebenen Schwingteller, der die kleinen Kugeln mit hoher Geschwindigkeit durch den Raum befördert. Ab und an treffen sie die unterschiedlich dicken herabhängenden Alu-Rohre.
Mit seiner extra für den Kunstverein angefertigten Arbeit verweist Zurborg auf einen allzu oft fahrlässigen Umgang mit Ressourcen und die Beliebig- und damit Ungerechtigkeit der Verteilung.
Die Klangskulptur „Wheelie“ im kleinen Raum ist in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Tamaki Watanabe entstanden. Sie zeigt einen Tischtennisball, der sich, von einer feingliedrigen Wirbelkette gehalten, auf einer Metallplatte gebetsmühlenhaft im Kreis bewegt. „Rotation ist in unseren Werken immer enthalten“, beschreibt Zurborg die Dramaturgie von Energie, Bewegung und Klang als zentralen Aspekt.
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