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„Keine Töne aus der Konserve“

Eike Hannemann am Arbeitsplatz der Schauspieler im U22-Keller. Foto: André Pause

„Faust on Air“: Live-Hörspiel von Eike Hannemann nach Johann Wolfgang von Goethe.

Von André Pause, 06.11.2013.

Braunschweig. Mit „Tarzan“ und „Wall Street“ wurden bereits zwei Live-Hörspiele von Eike Hannemann im Staatstheater aufgeführt. Am morgigen Donnerstag, 20 Uhr, feiert nun seine neueste Produktion „Faust on Air“ Premiere im U22-Keller.

Die Tische auf der kleinen Bühne sind voller Requisiten: Steinkrüge, Kuscheltiere, eine Kiste mit Herbstlaub und so weiter. „Ich sage meinem Sohn immer, er soll aufräumen“, lacht der Regisseur beim Interviewtermin. Für ihn selbst ist es die geschätzt fünfzehnte Produktion dieser Art.
Hat Hannemann bislang mit Filmvorlagen gearbeitet und daraus etwas destilliert, ist sein „Faust“ nun der erste richtige Theaterstoff, den er sich vorgenommen hat. Die Sprache sei daher eine andere, weniger lapidare, meint der Regisseur. Unterschiede zum Schauspiel im herkömmlichen Sinne bestehen auch.
„Der Fokus ist ein komplett anderer. Man hat nicht die klassischen Theatermittel wie Bühnen- und Kostümbild. Es geht darum, zu versuchen, die Welten, in denen sich bewegt wird, allein durch Töne zu erzeugen, dem Zuschauer das Bühnenbild akustisch hinzubauen, so dass er, wenn er will, die Augen zumachen kann. Das klingt erst mal nach Beschränkung. Es ist letztlich aber auch eine große Befreiung, weil Dinge möglich sind, die man auf einer Theaterbühne eigentlich nicht machen kann.“ Dies stelle auch den besonderen Reiz des Formats dar. „Ich sehe einfach, wie es gemacht wird“, skizziert Hannemann, der in Hannover geboren, in Aachen aufgewachsen ist und nach einer Zeit als Regieassistent am Schlosstheater
Moers an der renomierten Ernst-Busch-Schauspielschule in Berlin Regie studiert hat.
Seit zehn Jahren arbeitet er freiberuflich, mit allen Höhen und Tiefen, wie er betont. In dieser Spielzeit stehen neben dem Faust noch „Kingkong“ und „Godzilla“ auf seinem Zettel für verschiedene Häuser. Das klingt nach einem dispersen Programm. Die Stückauswahl? „Man schaut, was akustisch reizvoll ist und Herausforderungen bietet. Ein Kammerspiel ist eher schwierig“, bemerkt der Regisseur, der gerne mit nicht gegenwärtigen Stoffen arbeitet. Anders als zuletzt „Wall Street“ soll „Faust On Air“ völlig ohne Töne aus der Konserve auskommen: keine Zuspieler, nichts Vorproduziertes. Handgemachte Atmosphäre. Die Schauspieler (Mathias Schamberger, Nientje Schwabe und Moritz Dürr) auf der Bühne werden sich mit einfachsten Mitteln in der Tradition von Geräuschmachern behelfen. Ein weiterer Vorteil: „Keiner erwartet von uns jetzt die Neuinterpretation dieses Stoffes. Keiner wird sagen (wie bei „Wall Street“): Das müssen wir mit Blick auf die Finanzkrise alles noch mal neu lesen. Dadurch haben wir die Möglichkeit, auf den Text relativ naiv draufzugehen“, sagt Hannemann.
Der Vorschlag für das Stück kam übrigens vom Staatstheater, er konnte sich damit anfreunden. „Man hat einen Pakt mit dem Teufel, einen Prolog im Himmel, man hat sowohl Straße, Wald, Höhle, eine Hexenküche und eine Walpurgisnacht – einfach eine Menge, wo man akustisch Alarm machen kann“, freut sich der Regisseur.
Geplant sind 90 Minuten, die ganz unverbaut und ohne Altersbeschränkung genossen werden können. Nichtsdestotrotz sei man im Sinne der von Daniel Kehlmann nimmermüde geforderten Werktreue, allein durch die Wortwörtlichnahme des Textes nah am Original von Wolfgang von Goethe. „Das was dort steht; machen wir – in der entsprechenden Umsetzung, die stellenweise nicht einer gewissen Komik entbehrt“, verspricht Hannemann.
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