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„Keine naive Miniaturmalerei“

Neujahrsempfang der Stadt im Städtischen Museum: Werbung um Interesse für 1913.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 13.01.2013.

Braunschweig. „Den eigentlichen Höhepunkt dieses Jahres – eine riesige Feier vor dem Schloss am 19. Mai will ich aus Aberglauben nicht erwähnen“, sagte Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann beim Neujahrsempfang im Städtischen Museum.

„Wer jetzt verdutzt in die Runde schaut, war noch nicht oft genug an der Hamburger Straße“, fügte Hoffmann als bekennender Eintrachtfan an. Vor rund 400 geladenen Gästen blickte der Oberbürgermeister zurück und nach vorn und fragte: „Ist das Glas halb voll oder halb leer?“
Die Probleme in der Welt wie auch in Deutschland und speziell in Braunschweig ließen sich von zwei Seiten aus betrachten. Armut und Hunger besonders auf dem afrikanischen Kontinent seien zurückgegangen, Lateinamerika zeige Aufstiegstendenzen, Arabien Ansätze der Demokratisierung, Europa unternehme Anstrengungen zur Bewältigung der Schuldenkrise, Deutschland gehe es so gut, dass es von seinen Nachbarn beneidet werde.
„Für Braunschweig war 2012 ein besonders glänzendes Jahr“, betonte Hoffmann und nannte erfolgreiche Zahlen beim Bevölkerungszuwachs, der Wirtschaftskraft und der Arbeitslosigkeit. Große private und öffentliche Investitionen in der Stadt belegten diese Einschätzung.
„Warum treten die guten Nachrichten immer so sehr in den Hintergrund?“, fragt er, um die Antwort gleich zu liefern: Es gebe eine große Verunsicherung aufgrund der Globalisierung, der Euro- und Finanzkrise. „Niemand weiß genau, wie es weitergeht“, fügte er an. In dieser Verunsicherung suchten die Menschen vermehrt Halt, deshalb sei auch die „konstruktiv-kritische Aufarbeitung der eigenen Geschichte“ so wichtig.
Die Stadt starte jetzt das Projekt „1913 – Braunschweig zwischen Tradition und Moderne“, dass das „gesamte Braunschweiger Land ein Jahr lang begleiten, interessieren und ich hoffe, am Ende auch begeistern wird“, sagte der Oberbürgermeister. „Und ich bin dankbar für alles, was die Aufmerksamkeit auf dieses Thema lenkt.“ Auch Streitgespräche und Demonstrationen seien da willkommen, sagte er mit Blick auf die rund 20 Demonstranten, die sich vor dem Museum unter dem Motto „Jetzt schlägt’s 13“ versammelt hatten und eine kritischere Auseinandersetzung mit der Geschichte forderten.
„Monarchie zu beäugen heißt nicht, zum Monarchisten zu werden“, sagte der Historiker Professor Dr. Christoph Stölzl in seiner Festrede. Braunschweig könne stolz sein auf die Kraftanstrengung, die es mit dem Erinnerungsjahr 2013 unternimmt. Und auch auf den Umgang mit der Kritik daran. „Dass die Stadt, dass ihre Gestalter in Politik und Kultur dem Disput nicht ausgewichen sind, dass sie sich den einen oder anderen Schlagabtausch nicht erspart haben, dass man sich bevor ‘Braunschweig 1913’ feste Gestalt annahm, quer durch die politisch-kulturellen Milieus der Stadt auch einiges an Streit zumutete, dazu möchte ich ihnen gratulieren“, sagte Stölzl.
Dass 1913 ein spannendes Jahr sei, beweise unter anderem der Erfolg von Florian Illies‘ gleichnamigem Sachbuch. Das Jahr 1913 werde die Gemüter noch lange beschäftigen, weil 1913 eine zentrale Frage aufwerfe: „Was können wir ahnen von dem, was demnächst geschichtliches Ereignis werden wird?“ Beispielsweise hätten renommierte Fachleute damals belegt, dass wegen der Kapital- und Wirtschaftsverflechtung ein europäischer Krieg „schlechthin unmöglich“ sei.
Es könne keine Zweifel geben, dass „Braunschweig 1913“ einen tiefen Sinn bekomme. „Eine naive, nostalgisch-lokalpatriotische Miniaturmalerei wird dabei nicht herauskommen“, versicherte Stölzl.
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