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Keine Antwort von Wulff

Mitarbeiter des Landesmuseums bitten Ministerpräsidenten um Hilfe

Von Ingeborg Obi-Preuß

Braunschweig. Die rund 50 Mitarbeiter des Landesmuseums sind sauer. Mit einem offenen Brief haben sie sich jetzt direkt an Ministerpräsident Christian Wulff gewandt. Kulturminister Lutz Stratmann hatte Anfang Juli angekündigt, die Museumslandschaft neu strukturieren zu wollen. Dabei soll das Braunschweigische Landesmuseum mit dem Landesamt für Denkmalpflege in Hannover und dem Institut für historische Küstenforschung in Wilhelmshaven einem Institut für Archäologie und Baudenkmalpflege unterstellt werden.

Konkrete Pläne sollten folgen, diese Ungewissheit aber nährt die Ängste und Sorgen der Mitarbeiter. „Es geht auch, aber nicht nur um den Erhalt unserer Arbeitsplätze, wir sind auch nicht grundsätzlich gegen Veränderungen, aber wir sind nicht einverstanden mit der Art und Weise, wie über unsere Köpfe hinweg entschieden wird“ , sagt ein Mitarbeiter, der ungenannt bleiben möchte.
Auf eine Antwort auf ihren offenen Brief allerdings werden die Mitarbeiter vergeblich warten: „Die Staatskanzlei nimmt grundsätzlich nicht Stellung zu offenen Briefen, die zudem ohne persönlich Verantwortliche geschrieben werden...“ , heißt es aus Hannover auf Anfrage der neuen Braunschweiger. „Die drei angesprochenen Institutionen haben jede ihre eigene Aufgabe und nichts miteinander zu tun“, sagt der Mitarbeiter des Landesmuseums, „die Denkmalpfleger schütteln den Kopf, niemand kann den Sinn der Aktion verstehen.“
„Zentralisierung“ und „Leuchttürme“ seien Schlagworte geworden, mit denen sich Politiker mit Profilierungswunsch zu Wort melden würden. Die niedersächsische Verwaltungsreform sei ein Beispiel für das „dürftige Ergebnis“ einer solchen Aktion, und auch die überstürzte Abschaffung der Bezirksregierungen sei die schlechteste aller möglichen Lösungen gewesen. „Aber die Misserfolge solcher Aktionen ficht Politiker ja nicht wirklich an“, sagt der Mitarbeiter erbost.
Ihm und seinen Kollegen ist es dabei ganz wichtig zu betonen, dass sie Veränderungen grundsätzlich positiv gegenüber stünden. „Es ist völlig legitim, dass sich ein Minister fragt, ob das Geld der Steuerzahler gut angelegt ist“, sagt der Mitarbeiter, „dass wir in den Museen nicht einfach so weiter machen können wie vor 50 Jahren, ist uns allen klar.“ Vielleicht, so räumt er ein, hätten wir aus den Museen heraus auch schon mal selbst Vorschläge zur Modernisierung machen sollen?
Wir auch immer – was die Mitarbeiter auch sehr nervt, ist der „jetzt künstlich über dieses Museumsthema wieder entfachte Konflikt Braunschweig – Hannover.“ Das sei völlig absurd.
Sie befürchten ganz andere Beweggründe. Einer sei Beispielsweise die Personalsituation. „Die Denkmalpflege in Hannover hat katastrophal wenig Mitarbeiter“, weiß der Mann aus dem Braunschweigischen Landesmuseum, „wir und Wilhelmshaven stehen dagegen noch relativ gut da.“ In einem gemeinsamen Institut könnten diese Personaldifferenzen rein rechnerisch ausgeglichen werden. „Wo die Mitarbeiter bei so einem Planspiel bleiben, spielt offenbar keine Rolle.“ Und es liege auf der Hand, dass Zusammenlegungen in einem Flächenland wie Niedersachsen nicht in der angekündigten Form möglich seien. „Wenn die Oldenburger nach Braunschweig fahren sollen, um ihre eigenen Fundstücke zu sehen, halte ich das für eine Zumutung“, sagt der Museumsmann.
Die Hoffnung der Mitarbeiter liegt jetzt auf dem Ministerpräsidenten. „Ich glaube, dass er unsere Sorgen ernst nehmen und die Fehler in der bisherigen Vorgehensweise erkennen wird“, sagen sie und wünschen sich einen „konstruktiven Dialog und das gemeinsame Erarbeiten von Zukunftsplänen“.
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