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Kampf um Freiheit und Liebe

Wolfgang Gropper inszeniert Beethovens Fidelio – Viel Jubel nach der Premiere.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 22.05.10

Braunschweig. Beethoven hätte vermutlich seine helle Freude an diesem Braunschweiger Fidelio: Regisseur Wolfgang Gropper erzählt die Geschichte des berühmten Komponisten so, wie der sie aufgeschrieben hat – als einen kompromisslosen Kampf um Freiheit. Und er erdet die Handlung; das Gefängnis in Burma als Spielort zwingt die Zuschauer, in der Realität zu bleiben.

Die Geschichte beginnt wie die Musik – heiter, lyrisch, gefühlvoll schön. Das Geplänkel zwischen Marzelline (temperamentvoll und gewohnt stimmstark Moran Abouloff) und Jaquino (überzeugend Tobias Haaks) wirkt fast grotesk mitten im Vorhof zur Hölle. Denn Ulrike Schlemm hat eine bedrohliche Gefängniskulisse auf die Bühne gestellt, ein Monstrum aus Stahl und kaltem Licht; aus den verrosteten Gittern strecken sich die Arme der Gefangenen – eine hoffnungslose, gewalttätige Atmosphäre.
Wolfgang Gropper lässt die Utopie Beethovens Wirklichkeit werden: Die Liebe einer Frau verändert die Welt. Als „Fidelio“ heuert Leonore beim Kerkermeister Rocco an, um ihren Mann Florestan zu befreien. Er ist „Sondergefangener“, zu Unrecht eingekerkert, der Gouverneur Don Pizarro will ihn „verschwinden“ lassen. In einem dramatischen Finale siegt das Gute.
Zu hören ist ein rundum überzeugendes Gesangsensemble – Selçuk Hakan Tirasoglu gibt einen stimmgewaltigen Gefängniswärter, Jan Zinkler einen fiesen Pizarro mit aufbrausendem Bariton, Kor-Jan Dusseljee begeistert als anrührender Florestan. Henryk Böhm spielt in Mönchskutte einen Fernando mit starker Ausstrahlung und Bühnenpräsenz. Wie ein Kraftzentrum beherrscht Morenike Fadayomi die Bühne, ihre Leonore ist eine schöne, moderne junge Frau, voller Mut und Kraft – in der Darstellung wie in der Stimme.
Getragen wird die Inszenierung von einem perfekt agierenden Chor. Jonas Alber dirigiert ein klar spielendes Staatsorchester, das den mitunter großen und voluminösen Klangteppich, den Beethoven da vor die Akteure legt, ab und an „sängerfreundlich“ etwas zurücknimmt. Trotz allem wären Obertitel auch in einer deutschsprachigen Oper nicht schlecht – wirklich zu verstehen war höchstens die Hälfte des Textes.
Viel Beifall und Jubel vom Publikum für einen glanzvollen Fidelio – ganz große Oper.
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