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Jüdische Spuren in Braunschweig

Schüler der Christophorusschule zeigen in einer Ausstellung das jüdische Erbe Braunschweigs.

Von Marc Wichert, 30.01.2011

Braunschweig. Erst kamen die Nazis, dann die Bomben. Innerhalb weniger Jahre hatten Diktatur und Krieg das jüdische Leben in Braunschweig ausgeschaltet.

Mit dem Holocaust ging auch das Vergessen jüdischen Lebens und seiner Kultur einher. Eine Schülergruppe hält dem jetzt eine Ausstellung und einen Film entgegen und erinnert an das jüdische Erbe Braunschweigs.
Schüler der Christophorusschule haben mit ihrem Lehrer Christian Werner in der Gedenkstätte Schillstraße Spuren jüdischen Lebens in Braunschweig verfolgt und am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus präsentiert.
Für die Ausstellung und den Film haben die Schüler die Hintergründe und Lebenswege prägender Orte und Persönlichkeiten zusammengetragen. Sie entdeckten dabei Geschichten von Freundschaft und friedlichem Miteinander von jüdischen und christlichen Braunschweigern. Und Geschichten, die die Schüler traurig gestimmt haben.
„Ich wusste vorher gar nicht, dass hier mitten in der Stadt ein KZ war“, sagt Nils Klenke, der sich für den Film mit dem KZ-Außenlager Schillstraße beschäftigt hat.
Eine der Schautafeln widmet sich dem Hofagenten Alexander David, der im 18. Jahrhundert die jüdische Gemeinde Braunschweigs wiederbegründete und dessen Haus am Kohlmarkt zum Zentrum des jüdischen Lebens wurde. Tasso Lübe hat sich mit der Geschichte dieses Platzes auseinandergesetzt: „Ich bin schon oft am Kohlmarkt vorbeigelaufen, aber jetzt seh‘ ich das alles mit anderen Augen.“ Ohne das Engagement Davids wäre auch das Jüdische Museum „Hinter Ägidien“ ein Stück ärmer: den Grundstock der Sammlung bildeten die von David gesammelten wertvollen Handschriften und Kultgegenstände.
Eine erfolgreiche, später tragische Note zeigt die Geschichte um Max Jüdel: Jüdel gründete gemeinsam mit Heinrich Büssing die Eisenbahnsignal-Bauanstalt Max Jüdel & Co. Jüdel war Braunschweiger Landtagsabgeordneter, Ehrendoktor der Hochschule Braunschweig und IHK-Präsident. Büssings Unternehmen produzierte während des Zweiten Weltkriegs Rüstungsgüter – unter Einsatz jüdischer Zwangsarbeiter.
Büssing war da zwar nicht mehr am Leben, aber diese Episode zeigt, wie eng jüdische und nicht-jüdische Geschichte verwoben ist. Oft tragisch, oft reich an gegenseitigem Austausch.
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