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Jetzt kommt der Harzer Zwerg groß raus

Dr. Ulrich Joger (Staatliches Naturhistorisches Museum), Dr. Heike Pöppelmann (Braunschweigisches Landesmuseum) und Professor Jochen Luckhardt (Herzog Anton Ulrich Museum) stellten die Ausstellungs-Highlights in diesem Jahr vor. Foto: Korth

Rückblick auf ein Rekordjahr … und Ausblick auf die Ausstellungshighlights 2017.

Von Marion Korth, 01.02.2017.

Braunschweig. Das Jahr 2016 kann eigentlich kein schlechtes Jahr für die drei Landesmuseen in Braunschweig gewesen sein.

Die Neueröffnung des Herzog-Anton-Ulrich-Museums überstrahlt alles. Mehr als 48 000 Besucher in den ersten neun Wochen, das ist rekordverdächtig. 205 099 Besucher in allen drei Museen. „Eine großartige Zahl“, sagte Heike Pöppelmann, Direktorin des Braunschweigischen Landesmuseums in der gemeinsamen Pressekonferenz.

Braunschweigisches Landesmuseum

In Museen, so könnte man meinen, steht die Zeit still oder wird gar zurückgedreht. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. „Für ein historisches Museum wie unseres hat die aktuelle Debatte sehr große Relevanz“, betonte Pöppelmann. Probleme würden auf Parolen reduziert, Menschen mit kurzen Nachrichtenhäppchen gefüttert, Fake-News verwischen den Blick auf die Realität. „Die Wahrheit hat es schwer in diesen Tagen“, meinte sie. Es beunruhige sie persönlich, wie Ressentiments und Ängste geschürt werden. Vor diesem Hintergrund müsste sich das Museum als alte und entschleunigte Institution positionieren, nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Debatten anstoßen. Genau das soll die in Vorbereitung befindliche Reformationsausstellung leisten, sie liefere ein Lehrstück über menschliches Handeln und seine Folgen, werfe einen tiefen Blick in das späte 16. Jahrhundert. Erlebbar auch für Kinder, für die eine eigene Ausstellungswelt geschaffen werde.

Naturhistorisches Museum

Dr. Ulrich Joger ist froh, dass sich ein Hauptdarsteller der nächsten Ausstellung schon auf dem europäischen Festland und nicht in seiner amerikanischen Heimat befindet, „sonst hätten wir jetzt Probleme bei der politischen Großwetterlage“, meint er. Mit „Jurassic Harz“ bewegt sich das Staatliche Naturhistorische Museum an der Pockelsstraße und sein Direktor auf festem, heimischen Grund, denn ab April wird ein lokaler Aspekt der Dinosaurierforschung in den Mittelpunkt gerückt.
Der Europasaurus, in den 1990er Jahren bei Goslar in einem Kalksteinbruch entdeckt, ist ausschließlich aus dem Harz bekannt. Mit neun Meter Länge ein „Harzer Zwerg“. Ihm gegenüber wird die in Nordamerika gefundene Verwandtschaft in Form eines 27 Meter langen Originalskeletts gestellt. Die größten und kleinsten Sauropoden lebten im Jura übrigens zeitgleich auf einem Urkontinent zusammen, denn noch trennte kein Ozean Amerika und Europa voneinander. Entwicklungsgeschichtlich steckte der Mensch noch nicht einmal in den Kinderschuhen. „In den untersuchten Gesteinsbrocken haben wir mikroskopisch kleine Zähne gefunden“, sagt Joger. Sie stammen von den ersten mäuseähnlichen Säugetieren, die, so Joger, „ein kümmerliches Dasein neben den Sauriern führten“.

2016 war mit fast 89 000 Besuchern ein äußerst erfolgreiches Jahr für das Naturhistorische Museum, auch dies einem – wenn auch kleineren – Umbau geschuldet, der das Museum in der Pockelsstraße unter anderem mit dem wirklich sehenswerten Naturalienkabinett bereichert hat.

Herzog-Anton-Ulrich-Museum

Für die kommende Sonderausstellung im Herzog-Anton-Ulrich-Museum schöpft Direktor Professor Dr. Jochen Luckhardt aus dem Vollen, Meisterzeichnungen von Albrecht Dürer über Caspar David Friedrich bis hin zu Otto Dix werden versammelt. Vieles werde nun offenbart, was vorher versteckt war, sagte er. Im Hintergrund werde noch weiter geräumt und geordnet. Selbst Luckhardts ehemaliges Dienstzimmer sei zum Depot geworden. Und im Herbst wird dann feinstes Porzellan in einer Sonderausstellung zu bewundern sein.

Das Museum ist ohnehin ein absolutes Schmuckstück, seine Sammlung von einzigartigem Rang. Schon jetzt seien 400 Jahreskarten zum Preis von 30 Euro verkauft worden, der Einzeleintritt für einen Erwachsenen kostet neun Euro. „Ohne Drittmittel geht es nicht“, sagte Luckhardt. Das Museum sei auf Förderer und Eintrittsgelder angewiesen. Deshalb freut es ihn, dass die Mitgliedzahl im Förderverein sprunghaft auf nun 750 Mitglieder angestiegen sei.
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