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„Jeder kriegt sein eigenes Plätzchen“

Die Erschaffer des Memoriam-Gartens (v. l.): Gärtnerpaar Klaus und Christine Lange (Gärtnerei Gressl), Matthias Schreibner von der Firma Zerries, Hardy Gerod (Bildhauerei Lutter) und Lutz Schreiber von der gleichnamigen Steimetzerei. Foto: Tarik Dulich

130. Geburtstag des Hauptfriedhofs steht im Mittelpunkt des „Tages des Friedhofs“.

Von Tarik Dulich, 12.09.2017.

Braunschweig. Einer der ältesten und größten Friedhöfe Braunschweigs hat Geburtstag. 130 Jahre wird der Hauptfriedhof alt. Und passend zu diesem Jubiläum wird am Sonntag (17. September) der bundesweite „Tag des Friedhofs 2017 – Raum für Erinnerung“ veranstaltet.

„Ein Friedhof sollte immer ein feiner und stiller Ort zum Gedenken sein“, sagt Peter Kapp, stellvertretender Propst und Mitorganisator. „Wir wollen deshalb den Friedhof mehr öffnen und präsentieren“ . So sollen die klassischen Handwerksberufe, wie Bestatter, Steinmetz und Friedhofsgärtner zum parallel stattfindenden „Bundestag des Handwerks“ vorgestellt werden. Sowohl Führungen durch das Krematorium als auch Kutschfahrten über das Gelände werden geboten. Für die Kinder gibt es extra Führungen und Lesungen und sogar eine Kreativwerkstatt. „Es geht uns darum, den Kindern das Verhältnis von Tod und Sterben näher zu bringen“, so Kapp. Dazu würden auch die Führungen mit Kitas dienen. „Die Kinder waren immer mit vollem Einsatz dabei.“

Außerdem wird der neue Memoriam-Garten um 14 Uhr vorgestellt. Die Idee hierfür wurde zum Friedhofgeburtstag in die Tat umgesetzt. Von der Planung bis hin zur Fertigstellung wurde nicht einmal ein halbes Jahr gebraucht. Die Gärten dienen vor allem Angehörigen, die sich nicht immer um die Bepflanzung kümmern können. In einem Teil des Friedhofs wurden dafür mehrere Grabsteine noch ohne Inschriften verteilt. Die Namen der Verstorbenen werden erst nach und nach darauf verewigt. „Jeder kriegt hier sein eigenes Plätzchen“, so Christine Lange, von der Friedhofsgärtnerei Gressl. Die Gartenanlagen werden von der Friedhofsgärtnerei gepflegt. „Es soll vielen Leuten zeigen, dass es auch Alternativen zu anonymen Beerdigungen gibt, gerade auch pflegeleichte, wo trotzdem für jeden ein Stein zum Gedenken stehen wird“, erläutert Steinmetz Lutz Schreiber. „Viele Menschen lassen sich deswegen anonym bestatten, weil sie gar nicht wissen, was es noch an Alternativen gibt.“ Schon während der Entstehungsphase hat sich jemand einen Platz in dem neu angelegten Garten reserviert. „Das zeigt, dass sich noch viele auf die traditionelle Weise bestatten lassen wollen“, so Schreiber. Die Bestattungsweisen haben sich im Verlauf des vergangenen Jahrhunderts immer mehr verändert. So gab es vor 130 Jahren nur zwei übliche Bestattungsmöglichkeiten, während es heute über 20 sind. Das zeige der Friedhof mit seiner 130-jährigen Geschichte. Der Friedhof selbst wurde am 1. Oktober 1887 fertiggestellt. Nur zwei Tage später, am 3. Oktober war dann die erste Beisetzung. Auch Braunschweiger Berühmtheiten, wie Wilhelm Raabe oder Heinrich Büssing liegen hier begraben. Im ältesten noch erhaltenen Grab aus dem Jahr 1887 wurde die berühmte Braunschweiger Brauerei-Familie Balhorn beigesetzt.
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