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Jazzkantinenfunk zum Mitsingen

Bei ihrem Konzert in der Meier Music Hall spielte sich die Jazzkantine durch allerlei Genres.

Von Marc Wichert, 04.11.2012.

Braunschweig. Sie rappten, improvisierten, groovten, sangen Volkslieder und veralberten sich auch mal selbst. Die Jazzkantine spielte in der Meier Music Hall ein „Best of“ der vergangenen knapp 20 Jahre – das Publikum war begeistert vom Jazzfunk-Hip-Hop-Mix der Braunschweiger.

Vor Beginn der Show sagte ein Besucher zu seiner Freundin, beide Mitte zwanzig: „Hier sind ja alles Alte …“. Hatte der Besucher Angst, dass keine Stimmung aufkommen könnte? Wenn ja, war die Angst völlig unbegründet: Mit dem ersten Basslauf zeigten „die Alten“, was sie können, nämlich mitgrooven, -rappen und -tanzen.
Zwanzig Minuten später, die ersten Songs sind gespielt, darunter „Es ist Jazz“ und „Respekt“, bebt der Saal. Eine Frau, links vorne an der Bühne, im siebten, vielleicht achten Lebensjahrzehnt, sehr elegant gekleidet, ein Bier in der Hand, kann ihr Glück kaum fassen, so scheint es, staunt, singt mit bei „Take Five“ etwa, dem Jazzstandard mit der so berühmten Melodie, klatscht, stößt immer wieder die Hände tanzend von sich. Die Jazzkantine spielt und rappt und improvisiert sich durch die eigene Diskografie, erfreut die jüngeren Hip-Hop-Fans mit Texten, in denen auch mal das Wörtchen „Ficken“ fällt, was bei den Älteren ein grinsend verschämtes, unüberhörbares „Ohhh ...“ hervorruft. Auch die Jazzenthusiasten sind entzückt, wenn Gitarrist Tom Bennecke, Saxofonist Heiner Schmitz, Trompeter Christian Winninghoff oder Simon Grey an den Keyboards ihre Soli spielen, mal ganz sanft, mal psychedelisch-70er-jahrehaft auf rotbeleuchteter Bühne, dann wieder pur-funky à la James Brown oder im Stile der Berliner Reggae/Ragga-Combo Seeed. Bassist und Bandleader Christian Eitner und Schlagzeuger Andy Lindner liefern dazu immer zurückhaltend, aber auf den Punkt, die Basis. Zwischendurch kommt ein Gefühl von Kirche auf, als Cappuccino den Liedtext zu „Wenn ich ein Vöglein wär‘“, einer der Songs vom aktuellen Volkslieder-Album, verteilt und der halbe Saal wie ein Chor mitsingt.
Nach über zwei Stunden und drei Zugaben sind alle glücklich, die elegante Frau immer noch staunend und der Mittzwanziger wohl ebenso über so viel Feierfreude der gar nicht so „Alten“.
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