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Ist noch irgendwer ohne Ironie?

Wilfredo Pietro inmitten seiner Arbeit „Twelve Deaths“ (2012). Foto: André Pause

Arbeiten von Wilfredo Prieto und Florian Auer sind bis zum 15. Februar im Kunstverein zu sehen.

Von André Pause, 14.12.2014.

Braunschweig. Ein heftiges Déjà-vu erlebt der regelmäßig im Kunstverein Braunschweig vorbeischauende Besucher mit der neuen Ausstellung „The View of the Garden of Helene Holland“ von Wilfredo Prieto.

Der minimalistische Ansatz des Kubaners (Jahrgang 1978) ist dem von Maria Loboda, deren Werke von März bis Juni am Lessingplatz zu sehen waren, gelinde gesagt nicht unähnlich. Dass bestimmte Positionen Pietros zudem wie eine direkte Replik auf Arbeiten von Sofia Holtén wirken – sie stellte um den letzten Jahreswechsel herum aus – verstärkt den Eindruck: Allzu viel Neues gibt es hier im Moment nicht zu sehen. Sehr sehr sparsam sind die Räume ein weiteres Mal bespielt, in diesem Fall jedoch unter Hinzunahme des unmittelbaren Umfeldes der klassizistischen Villa Salve Hospes.
Dass die kuratorische Arbeit für „The View of the Garden of Helene Holland“ noch von ihrer Vorgängerin Hilke Wagner stammt, erzählt die neue Leiterin des Kunstvereins Jule Hillgärtner. Eigentlich nicht mehr als Chronistenpflicht, ist die Handschrift Wagners doch mehr als deutlich zu erkennen.
Wo neulich noch ein Flakon mit Wasserstoff hing, steht jetzt eine gut mannshohe leere Vitrine. Im Grunde ist es das gleiche ironische Was-wäre-wenn-Spiel, das Material, Betrachter und Raum gleichermaßen einbezieht. Prieto arbeitet wie Loboda mit Wahrnehmungsverschiebungen, die ein Höchstmaß an Assoziationen erlauben, im besten Fall: evozieren. Der Betrachter untersucht die Positionen intuitiv auf jedwede Art von Gebrauchstüchtigkeit. So kann „Hero“, so ist die Vitrine betitelt, als begehbarer Schutzraum gedacht werden, aber auch als Spiegel der Umgebung. „Es ist mein Weg der Bezugnahme darauf, in welcher Form die Dinge existieren“, erzählt der Künstler beim Rundgang. Das Nebeneinander der Möglichkeiten fängt er bevorzugt ein durch Gegenüberstellungen, beispielsweise von Natürlichem und Artifiziellem.
„Look at the Size of this Mango“ ist eine gummibandgehaltene Verbindung eines Blackberrys mit einer Mangofrucht. Doppelte Doppeldeutigkeit plus Wortspiel. Das soll Ironie sein. Aber mal ehrlich: Wer hält die in diesem Rahmen derzeit überhaupt noch aus? Hier wie im Fall der Arbeit „Nude“, für die sich eine imaginäre Frau von den Pumps bis zu den Ohrringen entblättert hat, oder für die schlicht und einfach Damenklamotten drapiert wurden, ist die Nähe zu Positionen von Sofia Holtén zu offensichtlich, als dass man sich nicht über diese Form der Wiederholung ärgern würde. Mehr Fallhöhe haben die Arbeiten „Twelve Death“, bei dem raumgreifend an zwölf Schauplätzen Schachmattsituationen die Parallelen zwischen Brettspiel und Kriegswirklichkeit skizzieren und „Two Classics“. Hier inszeniert Pietro die starke Abhängigkeit Kubas vom Zuckergeschäft. Ein Stück Würfelzucker liegt neben einem in gleicher Größe gefertigten Klötzchen Marmor. Das eine kann das andere nicht ersetzen.
In der Remise ist parallel Florian Auers Arbeit „You’re live“ zu sehen. Er nimmt die Live-Übertragung von Fußball-Wirklichkeit im TV zum Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit bildhauerischen und malerischen Strategien. Zu sehen sind beide Ausstellungen bis zum 15. Februar. Die Öffnungszeiten sind von Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr. Führungen finden donnerstags um 18 Uhr sowie sonntags um 14.30 Uhr statt. Weitere Infos: www.kunstverein-bs.de.
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